Weisheit

Wir Menschen wollen die Welt verstehen. Wir ergründen, forschen, fragen. Mal ehrlich: Ist es bei all dem Wissensdurst nicht auch so, dass es uns manchmal gar nicht um Erkenntnis geht, sondern vielmehr um unser Ego? „Denn Wissen selbst ist Macht“, formulierte der englische Philosoph Francis Bacon. Wissen ist umkämpft. Nichtwissen ist peinlich.

Zugegeben: Ich habe gerne auch mal Recht und weiß über dies&das Bescheid. Trotz oder gerade wegen meines Studiums weiß ich aber auch, dass ich Vieles nicht weiß. Bei aller Liebe gestehe ich außerdem: Ich habe so meine Schwierigkeit mit der Spezie „Schlauberger“. Die gibt es nach meiner Erfahrung allerdings bei jeder Gelegenheit: Am Stammtisch, bei Seminaren und auch in Gemeinden. Herr und Frau Neunmalklug wissen es besser als alle Anderen und haben gern das letzte Wort. Zahlen, Fakten, Halbwahrheiten, die kennen sie gut. Ich gebe meist nach ein, zwei Sätzen nach und beschäftige mich stattdessen mit der Speisekarte, male Schnörkel an Überschriften oder bitte Gott um Freundlichkeit diesen Menschen gegenüber.

Wenn dir das bekannt vorkommt, dann kannst du mir vielleicht auch hierbei zustimmen: Manche Dinge entziehen sich einfach unserem Verstand. Es gibt Phänomene, die wir nicht erklären können. Manchmal im Leben kommen wir an einen Punkt, da wissen wir nicht mehr weiter. Da nützt alles Wissen nichts. Da braucht es Weisheit.

Doch was um Himmels Willen ist Weisheit? Gibt es die tatsächlich mit Löffeln oder wo um alles in der Welt bekomme ich die her? Nun. „Weisheit heißt: sehen und begreifen, wie die Welt ist und wie Gott ist“, so sagt es Johannes Hartl bei der MEHR Konferenz 2015. Ich bin gestern, als ich so nach Inspiration für diesen Beitrag suchte, auf seinen Vortrag „Der Anfang der Weisheit“ bei Youtube gestoßen. Absolut empfehlenswert! Ein paar seiner (!) und meiner Gedanken möchte ich hier teilen. In der Bibel lesen wir: „Alle Weisheit beginnt damit, dass man Ehrfurcht vor Gott hat. Den heiligen Gott kennen, das ist Einsicht!“ (Sprüche 9 / 10). Furcht heißt laut Hartl in diesem Kontext, eine realistische Einschätzung davon zu haben, wie (klein und limitiert) ich als Mensch bin und eine Ahnung davon zu bekommen, wie (groß) Gott ist. Gottesfürchtig sein bedeutet: Ich habe Respekt vor Gott, vor Seiner Größe. In Sprüche 14 / 27 heißt es im Zusammenhang mit dieser Gottesfurcht weiter „Die Furcht des Herrn ist eine Quelle des Lebens, um den Schlingen des Todes zu entgehen.“

Wer leben will, tut also gut daran, gottesfürchtig zu sein. Das heißt, anzuerkennen: Gott ist der Herr! Egal, ob Gott gibt oder nimmt, ob ich verstehe oder nicht, ob ich leide oder lache, Ihm gebührt die Ehre. Diese Haltung ist unserer menschlichen Natur fremd. Wir wollen uns nicht unterwerfen. Selbst im Leiden und in verzweifelter Unwissenheit ringen wir, bevor wir kapitulieren. Wir suchen uns Schlupfwinkel, um die Herrschaft unseres eigenen Egos aufrechtzuerhalten. Dabei liegt in jeder Krise eine große Chance, Gottes Herrlichkeit, Weisung und Weisheit ganz neu zu erfahren. Indem wir seine Größe anerkennen und um seine Weisheit bitten, können wir erleben: Gottes Herrschaft ist keine Despotie. Auch wenn Seine Wahrheit unserem Ego vielleicht nicht ganz so gut gefällt, Gott will uns nicht fertig machen. So fordert Hartl in seinem Vortrag: „Komm heraus aus dem Gefängnis der Herrschaft deines Egos, deines Verstandes, und deiner kleinen Welt!“.

Gott bietet uns eine Weisheit an, die alles bisherige Wissen übersteigt: „wenn du auf mich hörst, wirst du vertraut mit dem, was richtig, gerecht und gut ist. So kannst du ein Leben führen, das Gott gefällt. Du erlangst Weisheit und lernst, das Leben zu meistern; darüber wirst du dich selbst am meisten freuen. Du lernst, wohlüberlegt zu handeln und dir selbst ein Urteil zu bilden. So wirst du vor Fehlern bewahrt. Du bist gewappnet gegen Menschen, die mit ihren Worten andere täuschen und selbst krumme Wege gehen.“ (vgl. Sprüche 2 / 1-22) Ist das nicht wunderbar? Weisheit finde ich bei Gott. Er ist da, wenn ich nicht weiter weiß. Er „weist“ mir den Weg.

Für alle, deren Ego schwer bezwingbar ist, möchte ich als Ermutigung wie Hartl schließlich noch auf Hiob 42 / 1-5 hinweisen. Dort spricht Hiob – der zutiefst gelitten hat – zu Gott: „Nun weiß ich, dass du alles kannst, kein Vorhaben ist für dich undurchführbar. Ja, ich habe in Unkenntnis über Dinge geurteilt, die zu wunderbar für mich sind, ohne mir darüber im Klaren zu sein. Du hast gesagt: ‚Hör zu, ich will reden! Ich will dir Fragen stellen, und du sollst sie mir beantworten.‘ Bisher kannte ich dich nur vom Hörensagen, doch jetzt habe ich dich mit eigenen Augen gesehen.“ In diesem Sinne würde ich sagen: Fangen wir lieber heute schon an, Gott zu ehren und Ihn und die Welt zu sehen, wie sie wirklich ist! Denn das, lieber Leser, liebes Ego, ist der Anfang aller Weisheit.

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