Taste the Waste

Abfall ist nicht gleich Abfall. Ich nehme es seit Einführung der Mülltrennung damit sehr genau. Ich hasse es, Lebensmittel und andere Dinge wegzuwerfen, die im Grunde noch verwertbar sind. Drei Arten Abfälle erhielten diese Woche meine Aufmerksamkeit: Der Mix von Apfelbutzen, Eierschalen und Gorgonzolaresten im kompostierbaren Beutel bei mir zuhause. Die welken Blätter und Strünke von Gorbatschow-Basilikum, Marokkanischer Minze und Ananassalbei bei uns in der Gärtnerei. Und die ausrangierten Gurken, die es bei „Gutes vom Vortag“ zu kaufen gibt: extrakrumm und trotzdem knackig zum halben Preis.

Diese Abfälle haben für mich ein besonderes „Gschmäckle“:

Nummer Eins, der Biomüll in meiner WG, schmeckt für mich nach Gemeinschaft und Beziehungsarbeit. Ich bin dafür verantwortlich, ihn regelmäßig zu leeren, egal wieviel Abfall ich selbst verursacht habe. Nummer Zwei, der Haufen mit abgezwickten Blatt- und Stilresten schmeckt für mich etwas bitter, weil die Arbeit zwar sinnvoll, aber ziemlich Kräfte zehrend ist. Ich bin froh um jeden vollen Eimer, den ich in den Container schütten kann, weil diese Handlung die letzte eines anstrengenden Arbeitstages ist. Nummer Drei schließlich, die Gurken, die kein Supermarkt mehr will, die schmecken einfach köstlich!

Was ich damit sagen will? Ich weiß nicht genau. Vielleicht, dass es sich lohnt, die Dinge auseinander zu halten! Egal, ob es um Abfälle oder andere Sachverhalte geht. Ja, ich mag eine differenzierte Sichtweise! Nein zum „Alles-über-einen-Kamm-scheren“. Ja zu Wohngemeinschaften mit klarer Aufgabenteilung. Nein zu Zweck-WGs ohne funktionierenden Müll- und Putzdienst. Ja zu Bioland-Betrieben. Nein zu schlechten Arbeitsbedingungen. Ja zum guten Geschmack. Nein zu Perfektion und Einheitsgrößen.

Chaos im Kopf nach diesem Essay über Abfälle und dennoch gleicher Meinung? Gut, dann bleibt mir ja nur noch das moralische Ende der Geschicht‘: Investiere dich in Gemeinschaften, geh sorgsam mit deinen eigenen Ressourcen um, freue dich am natürlichen Genuss… und schmecke den feinen Unterschied.

Für alle, die mehr Moralgeschichte suchen oder sich schlichtweg informieren möchten, empfehle ich heute den mehrfach ausgezeichneten Film „Taste the Waste“ von Valentin Thurn auf www.tastethewaste.de .

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s