Leichter lieben

Vom 6. bis zum 9. August 2015 fand in Speyer die „Keep Your Love On!“(Lass deine Liebe an!)-Konferenz mit Danny Silk aus Redding (Kalifornien, US) statt. Wer mehr darüber erfahren will, dem lege ich das Buch mit dem gleichnamigen Titel (in Englisch oder Deutsch) ans Herz. Darüber hinaus findet Ihr Material auf der Webseite von Danny und diverse Videoclips bei Youtube.

Der Amerikaner aus dem Kreis der Bethel Church Gemeinde macht Lust darauf, sich mit seinem Sein und Haben, in Beziehungen auf Augenhöhe zu investieren. Und er gibt hilfreiche Tipps für mehr Verbundenheit, Achtsamkeit und gesunde Grenzen im Miteinander. Humorvoll, sensibel und smart.

Hab keine Angst, lass deine Liebe an!

Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. 2. Timotheus 1 / 7

„Dein Wort ist meines Fußes Leuchte…

… und ein Licht auf meinem Weg.“ Psalm 119 / 105

Meine Mitbewohnerin legte mir kürzlich den hier zitierten Vers aus Psalm 119 nahe. Ich habe die Stelle vorher nie gelesen. Es gibt überhaupt viele Bibelstellen, die ich noch nie gelesen habe. Ich schäme mich manchmal im Gottesdienst, wenn der Pastor in der Predigt sagt: „In Vers soundso – den kennt ihr ja – da heißt es…“

Da! Ertappt! Ich sinke leicht errötet ein paar Milimeter im Stuhl ein, rutsche dann schnell wieder (mein Krönchen) zurecht, lausche weiter aufmerksam der Predigt und notiere mir den Vers, von dem gerade die Rede war. „Später lese ich den daheim noch einmal nach!“ sage ich mir motiviert. Zurück Zuhause, tue ich das allerdings selten. Bislang zumindest.

Neulich stieß ich in der Humboldtstraße auf einen alten Kronleuchter am Straßenrand. Sofort fotografiert für eben diesen Beitrag! Vorgestern nahm ich mir nun die Zeit, den 119er Psalm (eine Liebeserklärung an Gottes Wort), in meiner Bibel-Einheitsübersetzung nachzuschlagen.

Buff! Der Psalm schlägt ein wie der Blitz. Ich bin begeistert! Er motiviert mich, mehr in der Bibel zu lesen, mich intensiver mit einzelnen Versen zu befassen, sie in den Kontext einzuordnen, auf mein Leben hin zu verstehen und all das Wertvolle daran zu verinnerlichen.

Als ich mich 2009 neu für den Glauben und Gott öffnete, wollte ich anfangs ganz viel wissen, viel lesen. Ich hatte Nachholbedarf. Ich war offen für das, was mir Gott zu sagen hatte. Voller Elan! In den ersten Wochen nach meiner Bekehrung las ich wirklich viel.

Im Hauskreis verlor ich interessanterweise irgendwie meine Lust am Bibellesen. Mir war das oft zuviel: ich war als „Baby-Christ“ verunsichert, weil ich Mühe hatte, die Bibelstellen zu finden, zwischen denen wir hin und her sprangen. Zulange Stellen, zuviel Input! Und ich hatte oft andere Ansichten, Nachfragen und andere Themen, die mich bewegten. Zu allem Übel, vergaß ich meist innerhalb von drei Tagen, worüber wir bis in die Nacht hinein diskutiert hatten. Das war echt frustrierend!

Seit ich diesen Blog begonnen habe, tue ich mich wieder viel leichter mit dem Bibellesen. Ich suche Gott in allen Dingen und entdecke ihn im Alltäglichen. Dort erlebe ich auch, wie brandaktuell die Bibel ist. Sie hilft mir in den unterschiedlichsten Situationen und Herausforderungen, die ich meistern muss. Ich bin froh, dass ich wieder einen Zugang zu Gottes Wort gefunden habe, der für mich passt.

Im Oktober erscheint eine neue Bibelausgabe. Die Neues-Leben-Übersetzung als eine Art Do-It-Yourself-Bastelbuch. Mit exra-dickem Papier, viel Platz zum Anstreichen und Hervorheben, für Randnotizen und Schnörkel. Genau, was ich brauche! Diese Form des kreativen Zugangs zum Bibellesen nennt sich „Bible Art Journaling“.

Falls auch du bislang oder im Moment Schwierigkeiten mit Bibellesen hast: es gibt inzwischen so viele verschiedene Wege, um wieder Spaß am Bibellesen zu bekommen: die Losungen (als Büchlein für zuhause oder digital), Filme, einen Bibelleseplan, das Magazin „Faszination Bibel“, Bibelhörbücher usw. Lust auf Bibel macht auch Ulla Schaible in ihrer Kurzpredigt zu Psalm 119, 105.

Ich bin dankbar, dass ich statt der Mühe mit dem Bibellesen, immer mehr Freude an Gottes Wort habe. Gott will jeden mit seinem Wort erreichen, nicht eine bestimmte Zielgruppe. Insbesondere in Phasen der Orientierungslosigkeit, dann, wenn ich im Dunkeln tappe und nicht weiter weiß, weist mir Gott durch sein Wort den Weg – zu Menschen hin, zu mir selbst, an andere Orte, in neue Aufgaben, über schwierige Situationen hinweg. Ich begreife allmählich, welcher Schatz da im Alltag als Christin direkt vor meinen Füßen liegt. Es wäre schade, einfach daran vorbeizugehen.

Gebetswehen

Nimm den Schmerz aus meinem Herz!

Ja, ich gesteh, zutiefst betrübt:
Bitten über Bitten.
Statt Dankbarkeit.

Zuviel an Leid,
das ich da seh.
Die blanke Wahrheit.
Sie tut weh.
Bringt meine Welt zum Kippen
schier.
Und mir
obliegt die Wahl:
Entscheid ich mich für’s Böse gar,
nehm’s Gute statt der Qual?

Für wen, für was, wo leb ich hier?
Plage mich ab.
Ringe mit dir.

Krallend am Kreuz, Herr, wind ich mich
dein Kind bin ich – voll Kummer noch,
so fleh ich, Gott: „Hol mich da raus!
Ich bitte dich. Zeit ist es doch.“

Du packst mich, brüllst,
mit harter Hand, greifst meinen Arm:
„Schau mein Gesicht,
warum, ich kam!
Nimm endlich an, was ist.
Bin da für dich.
Glaub’s jetzt!
Stets.
Ewiglich.“

Hier ist er, ach, der Löwenmann!
Der mich sieht, kennt, liebt, und
auch ins neue Leben führt.

Ich atme auf. Kehr um.
Zum „Danke!“ hin.
Zu Ihm.

Umgeben ganz von Dunkelheit
entkommen wir der Last.
In deinem Schoß, bei dir.
Es ist soweit.
Nun schweben wir.

Im Licht.
Kein Schmerz, der sticht.
Die Seele heil.
Im Herzen ganz.
Leben in Eden.
Du und ich eins.

Ein Rosenbett, in Frieden ruhn,
ein Lächeln gleich. Nichts, ist zu tun.

Glaube gebiert wirres Gebet,
wo der Wind weht, sich dreht und ich schwinde,
da ist’s, wo ich – schmerzfrei – mein Herz wieder finde.

Freude am Unfertigen

Baustellen sind cool. Zumindest aus Kindersicht betrachtet. Insbesondere, wenn große Kräne und Bagger im Einsatz sind. Ich sehe das ein bischen anders. Ich hasse Baustellen. Ich meine nicht die, die zu stockendem Verkehr in der Nürnberger Innenstadt führen. Nein, ich meine, meine eigenen. Die großen und kleinen Baustellen in meinem Leben. Gleichwohl hier eine metaphorische Betrachtung:

Am Karl-Bröger-Platz wird seit einiger Zeit gebaut. „Sechzig Prozent verkauft“ informiert ein weißes Schild mit schwarzen Druckbuchstaben am Baustellenzaun. Tiefes Baggerloch und Bauschutt. Ich suche nach einer Tafel, die Aufschluss darüber gibt, was da verkauft wurde. Kein Infoboard mit Grundriss oder Modellbildern. Aber eine Telefonnummer für Interessierte pappt am Gitterzaun. Ich tippe auf den Bau von Eigentumswohnungen. Und finde es derweil bemerkenswert, dass sechzig Prozent davon bereits verkauft wurden, ohne dass es hier auch nur annähernd nach Wohnraum aussieht.

Ist das nicht mutig? Da wird Bauplänen vertraut und werden Kaufentscheidungen getroffen, bevor die lieben Damen und Herren überhaupt real gesehen haben, wo sie Monate später tatsächlich wohnen werden.

Mir fehlt es oft an Vertrauen, dass Gottes Plan für mein Leben gut und richtig ist. „Nun, Mister Gott! Meine äußeren Umstände sind gerade nicht so, wie ich das gerne hätte. Es fühlt sich scheiße an! Die letzten Wochen war ich auf vielen meiner Baustellen unterwegs. Ich habe mir meine wohl überlegten Pläne angeschaut, gelegentlich wütend oder einem Heulkrampf nahe, weil sie doch so anders sind, als das, was du scheinbar vorhast mit meinem Leben. Nimm’s mir nicht übel, aber irgendwie habe ich mir das echt anders vorgestellt!“ Ich unterbreche meine kleine Anklage. Und blicke zurück:

In den letzten Jahren hat es in meinem Leben gestürmt, dass sich die Balken biegen. So einiges ist dabei um mich herum zusammengestürzt. Situationen, Menschen und Ereignisse haben für Risse und Brüche gesorgt. Manchmal – an den grauen Tagen, in den dunklen Stunden, in den Momenten schmerzlicher Verzweiflung – da sehe ich das ganze Ausmaß der Verwüstung (ein Trümmerfeld von Verlust, Niederlage, Frustration, Enttäuschung, ungestillter Sehnsucht). Ich schließe die Augen und bete mich weg. „Hin zu Dir, mein Gott.“ Und plötzlich – vor allem während der Lobpreiszeiten im Gottesdienst – erhebt sich in mir eine Freude an all dem Unfertigen auf den Baustellen meines Lebens.

Ich sehe, dass Neues entsteht, wo Altes abgerissen wurde. Ich sehe ein hammerhartes Fundament und eine wirklich gute Bausubstanz, die alles Nötige enthält, um seinen Plan an mir zu realisieren. Auch wenn ich immer wieder ringe, weiß ich, dass sich meine Herzenssehnsucht nur dann erfüllt, wenn ich Gott seinen Plan für mein Leben verwirklichen lasse.

Mitten im Chaos des Unfertigen, des noch nicht Sichtbaren, spricht eine Stimme aus mir heraus: „Es ist alles wohl durchdacht. Ich habe einen guten Plan für Dich und werde ihn vollenden.“

Die Bibel sagt im Johannes-Kapitel 14, 2-3: „“In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen. Wenn’s nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wieder kommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin.““

Daraus nehme ich für mich die letzte Gewissheit eines Happy Ends. Nach allem, was mich in der Welt bedrückt, was mir fehlt, was mir so unfertig erscheint, hat Gott einen Platz im Himmel für mich reserviert – ohne Schutt, Gerüst und Baustellenlärm. Vollauf fertig! Himmlischen Wohnraum zum Wohlfühlen und Aufatmen. Und zugleich bleibt dieser Rest-Zweifel, bleiben Ungeduld und Misstrauen gegenüber Gottes Bauplan für mein Leben in dieser Welt. Umso dankbarer bin ich um die Momente der Freude am Unfertigen in meinem Leben, wünsche mir mehr davon, auf dass mein Misstrauen schwindet und ich immer mehr von seinem guten Plan für mich erkenne und sehe.