Götterboten

Mir geht noch immer die Tageslosung von Gestern durch den Kopf. Ein Auszug aus dem achten Kapitel der Apostelgeschichte. Darin erscheint Philippus ein Engel und spricht: „Steh auf und geh nach Süden…“ (Apostelgeschichte 8: 26-27). Ich wünschte mir, ich könnte mit gutem Gewissen sagen, mir sei dieser Götterbote erschienen. Ich würde mich freuen über eine solch göttliche Forderung. „Auja, ab in den Süden!“ Doch in Sekundenschnelle ist er wieder dahin, mein Traum vom Aufbruch. Eingeständnis: Gott hat nicht mich gemeint, sondern Philippus!

Ich falle zurück auf den Boden der Tatsachen.

Warum aber hat mich diese Gottesbotschaft so angesprochen?

Ich scheue mich einfach, dem Unvermeidlichen ins Auge zu sehen und suche verzweifelt nach Auswegen: Auch wenn die Sonne noch scheint, der Sommer ist vorüber und mit dem Herbst (und all den Adventskalendern, Pfeffernüssen und Lebkuchen im Supermarkt) steht auch schon der Winter vor der Haustür. Schrecklich!

Die Blätter welken, wandeln ihre Farbe, fallen. Ich versuche mir einzureden, wie wunderbar es ist, dass Gott Jahreszeiten schuf und dass jede ihre eigene Qualität hat. Trotzdem: Der Sommer ist und bleibt meine favorisierte Jahreszeit! Und jetzt bin ich einfach absolut frustriert.

Im traurigen Abschiednehmen von all den herrlichen Sommersonnentagen wünsche ich mir, dass Gott ein Heer an Engeln schickt, die mich in die kalten, trüben, nassen Tage des Jahres begleiten. Ich habe das Gefühl, es nicht alleine zu schaffen.

Ich wünsche mir…

  • drei Engel, die mich motivieren, morgens, wenn es noch stockfinster ist, aufzustehen.
  • drei Engel, die mich anfeuern, eine Strumpfhose unter meine bunten Stoffhosen zu ziehen.
  • drei Engel, die mich umjubeln, wenn mir der Wind auf dem Rad entgegenbläst und die mir abends in der Badewanne heißes Wasser über meine durchgefrorenen Füße gießen.

Das sind dann drei mal drei Engel für Anna. Ich glaube, damit könnte ich den Übertritt in die kalte Jahreszeit unbeschadet schaffen. Alternativ mache ich mir wieder einmal Gedanken, ob ich – auch wenn mich Gott gestern nicht direkt angesprochen hat – wie Philippus aufstehen sollte, um nach Süden aufzubrechen. Ist das die Alternative zur Winterdepression?

Ich habe wieder einmal sehr verrückte Gedanken. Es tut einfach gut, sie mit einer Prise Humor niederzuschreiben. Auch wenn du dir vielleicht in diesen Tagen ganz andere Gedanken machst.

Mein Fazit heute: Ich darf Gott nicht meine Wünsche unterschieben und dann jedes Wörtchen, das ich aus der Bibel oder sonst wo aufschnappe (und das göttlichen Bezug hat), direkt auf mich beziehen. Nicht immer, bin ich gemeint, wenn Gott spricht. Und nicht immer ist das, was ich meine, zu hören, eine Message von Gott an mich. Manchmal gilt seine Botschaft anderen Menschen. Manchmal, da heißt es für mich, geduldig warten. Auf die nächste Engelsbegegnung. Die nächste klare Ansage. Den nächsten Sommer.

Ein Gedanke zu „Götterboten“

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