Warum-Frage trifft Schöpfungswunder

„If you look at all this, if you see all this beauty, how can someone say, there is no God?“ Während Patty diese Frage ausspricht, schweift ihr Blick über meinen Kopf hinweg und bleibt an der uns umgebenden Blüten- und Pflanzenpracht haften. Es ist ein Tag Ende Juli, der mir noch so lebendig in Erinnerung ist. Sattes Grün, Sonne absolut, üppige Vegetation, so weit das Auge reicht. Bunte Fachwerkhäuser säumen das Flussufer, architektonische Schmuckstücke menschlicher Meisterhand. Ein Kapitel Sommermärchen!

Zur selben Zeit stehen mir die Tränen in den Augen. Ich erzähle Patty, wodurch ich mich in den letzten Jahren hindurch gekämpft habe. Wir essen auf der Terasse eines italienischen Restaurants zu Mittag. Zehn Jahre muss es her sein, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben. In meinem Studentenalltag von damals, existierte Gott nicht. Mit all den Vorlesungen und Philosophie-Seminaren, die ich besuchte, hatte ich viel Stoff, um Fragen zu unserer menschlichen Existenz zu beantworten. Und es ploppten immer wieder neue auf. Ich war übervoll an Antworten….und leer zugleich.

Warum gibt es soviel Leid in der Welt? Warum und wozu leben wir? (…) Gott kann es nicht geben! Das war meine Schlussfolgerung, nachdem ich einige schmerzliche Erfahrungen gemacht hatte, die mir so sinnlos und überbordend erschienen, und mich so sehr niederdrückten, dass ich kaum mehr wusste, wie und warum ich überhaupt weiter leben sollte.

An diesem Tag Ende Juli, da habe ich die Welt trotz all der Schmerzenstränen ganz bewusst mit anderen Augen gesehen. Irgendwie hat Gott in mir den Durchbruch geschafft. Die negative leidvolle Sicht auf meine und die Welt um mich herum, ist einem freudigen Staunen gewichen. Ich negiere die Existenz Gottes nicht mehr. Vielmehr sehe ich, dass er immer schon da war – mitten in all dem Leiden, durch das ich gegangen bin. Er hat mich hindurch geführt an seiner unsichtbaren Hand. Und ich schätze meine Lage durchaus realistisch ein: Es wird weitere Niederlagen und Krisen geben. Aber ich werde anders hindurchgehen als zuvor. Mehr Gott in der Praxis als Philosophie in der Theorie.

Die Frage nach dem „Warum?“ beschäftigt mich weiterhin (ich habe inzwischen auch einige hilfreiche, aber keine abschließenden Antworten). Doch sie ist in den Hintergrund getreten, weil es für mich nun Wichtigeres, Schöneres gibt, mit dem ich mich befassen will. Das ist eine Entscheidung hin zu mehr Lebensqualität! Lebe ich, oder sterbe ich? Schaue ich auf das, was gut ist, auf die vielen Schöpfungs- und Alltagswunder, oder auf all das Schlechte?

In Augenblicken, in denen ich – wie an diesem wunderschönen Julitag mit Staunen in das Wunder unserer Schöpfung eintauche – da kann ich, anknüpfend an Pattys eingangs zitierten Ausspruch, nur fragen: „Wer, wenn nicht Gott, hat all das erschaffen?“ Trotz all der schmerzlichen Erfahrungen in unserem Leben und den vielen Krisen staunen Patty und ich an diesem Tag über Gottes Größe – mit etwas Bedauern darüber, dass wir diese Freude nicht mit der ganzen Welt teilen können. So sitzen wir da und sehen Gott in seiner ganzen Herrlichkeit. Setz‘ dich doch ein Weilchen zu uns. Gott ist real – in mir und dir. In dieser Welt!

Wenn du dich schwertust, den Blick von der Krise hin zu den vielen kleinen und großen Schöpfungswundern zu wenden, dann empfehle ich dir heute von der Psalmkarte: Nummer 104. Erlebe Augenblicke des Staunens, in denen dir Gott das Schöne in dir und in seiner Schöpfung zeigt. 

3 Kommentare zu „Warum-Frage trifft Schöpfungswunder“

  1. Hallo Anna, endlich bin ich wieder im Internet, soviel um den Ohren… Ich finde sehr gut geschrieben mit sehr viel Tiefgang, Gefühl und Ehrlichkeit zu Dir sehr selbst… bravo weiter so Anna ,,Du bist auf der Spur „. Geliebt , gesalbt, Gesegnet und Frei 🙂
    Shalom Manuela ***

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  2. Jesus sagte: „liebet einander“. Er sagte nicht wen oder warum. Er sagte nichts von Leistungen, die dafür erbracht werden müssen. Er sagte auch nichts von Einschränkungen irgendwelcher Art. Er erging sich nicht in komplizierten Abhandlungen oder unverständlichen Schachtelsätzen. Umso erstaunlicher ist, die wenig das beherzigt wird. Wir sollten einander lieben lernen, den Liebe ist der Anfang von allem. Gerade in Krisen kann man Liebe spüren, wenn man nur offen dafür ist.

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    1. Lieber Gregor, herzliches Hallo und danke für deinen Kommentar!
      Ich weiß nicht ganz, ob ich dich verstanden habe. Hast du dich auf die Schachtelsätze in diesem Beitrag bezogen? Ich mag die nämlich auch nicht…so wenig wie Hosentragen. Trotzdem komme ich manchmal nicht umhin, welche zu tragen. Sie liegen plötzlich da, ich zieh sie an und dann: erschweren sie mir den Tag. Wie das auch komplexe Gedanken tun :-). Ich sehe es ähnlich wie du: In der Einfachheit liegt die Essenz. Keep your love on – für dich, mich und (vielleicht auch) Gott ;-). Auf bald in natura! Liebe Grüße, Anna ❤

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