Hauchdünn

Raus aus den Kaufhäusern,
hinein in Gottes Gegenwart.
Aus der Leere
in die Fülle.
In der eigenen Schwachheit
in Christus stark.
In der Verwundbarkeit
des Andern
selbst verletzt.
Zerbrochen ganz.
Berühren und berührt werden.
Fragil. Zart. Und Hauchdünn.
Strecke ich mich aus nach Gottes Licht.
Lass Wundes heilen
durch seine Liebe.
Mach mich auf den Weg
zur Krippe.
Armselig wie ich bin.
Komme ich zu ihm.
Kommt er zu mir.

Inspiriert von Wilhelm Willms.

Hang Loose von Gott

Heute ist so ein Tag, an dem ich meine Bibel am liebsten in die Ecke pfeffern würde. Keine Lust auf geistigen Input. Ich bin frustriert. So what?

Ich durchstöbere mein Fotoarchiv. Heute ist mir danach, einfach meinen Kopf hängen zu lassen, wie der leidende Hiob auf dem Steinsockel vor der St. Klarakirche. Keine Lust, mich aus der Misere zu hieven. In dieser Stimmung des Niedergeschlagenseins will ich jetzt einfach mal nichts hören und nichts tun, um mich aufzurappeln. „Ist das OK?“, frage ich mich. Ich versuche mich locker zu machen. Trotzdem merke ich, dass ich krampfhaft versuche, den Kopf oben zu halten.

Jetzt braucht es ein göttliches „Go“ zum Hängen- und Gehnlassen. Denn ich selbst sehe mich gerade außer Stande, mir die Erlaubnis selbst zu erteilen. Gott, wo bist du? Eigentlich hätte ich das Foto von der Hiobsskulptur so gern für einen Beitrag über das menschliche Leiden verwendet. Aber nur eigentlich.

Plötzlich denke ich an den hawaianischen Shaka-Gruß unter Windsurfern. Ich schmunzle und denke daran, wie cool es ist, sich in ein Windsegel zu hängen. Heute brauche ich kein kompliziertes Nachdenken mehr, kein An-mir-und-meiner Stimmung-Werkeln. Heute brauche ich eine Auszeit: die befreiende Erlaubnis des So-Seins und eine imaginäre Meltemi-Meeresbrise (Anm.d.Red.: der Meltemi ist der vorherrschende Wind in den Sommermonaten an der Ägäis – einfach genial zum Windsurfen!). Heute brauche ich ein „Hang Loose“-Zeichen von Gott. Und irgendwie so zwischen meinen eigenen Zeilen lese ich, dass er es mir bereits gegeben hat.

Danke!

Tu‘, was du liebst!

Ich liebe es, morgens spazieren zu gehen und die frische Luft einzuatmen. Ich liebe es, bei einer Überlandfahrt die Hand aus dem Fenster zu halten und Wellen in den Wind zu malen. Ich liebe es, meine kalten Hände um eine heiße Tasse Tee zu schließen und mich daran zu wärmen. Ich liebe es, gemeinsam mit anderen herzhaft zu lachen. Ich liebe Umarmungen, die länger als eineinhalb Sekunden dauern. Ich liebe es, laut und kraftvoll zu singen. Ich liebe es, meine Füße im Sand einzugraben. Ich liebe es, Texte zu schreiben. Ich liebe es, zu tanzen –
frei, den Verstand verlierend,
als gäbe es nichts anderes.

Ich liebe es, das zu tun, was ich liebe! Um mich jeden Tag daran zu erinnern, dass ich das tun darf – ja, dass es sogar lebensnotwendig ist, Dinge zu tun, die man liebt – pappt ein Aufkleber an meinem Küchenschrank: „Do what you love and fortune will follow!“, steht darauf (natürlich bunt mit vielen Blümchen verziert). Auf Deutsch: „Tu was du liebst und Glück wird folgen“.

Dieser Satz bestärkt mich in meiner aktuellen Lebenssituation: Ich habe mich entschieden, mich beruflich zu verändern. Den Entschluss dazu fasste ich zu einer Zeit, in der ich wenig Power hatte, mir allzuviel den Kopf über meine Zukunftsplanung zu zerbrechen. Ich wollte einfach nur leben. Tun, was ich liebe! Und das habe ich dann ganz viel getan. Schließlich ging eine Tür mit Perspektive auf und ich bin eingetreten…

Jetzt, wo ich erneut die Schulbank drücke, tue ich weiterhin täglich Dinge, die ich liebe. Und irgendwie habe ich ein gutes Gefühl dabei, ein Gefühl, dass sich der oben zitierte Satz bewahrheitet. Dass Gott mich noch mit viel Gutem segnet, weil ich tue, was mir und ihm gefällt.

Ich seh sie schon schwirren, all die Glückskäfer in meinem neuen Leben, weil ich tue, was ich liebe.

Was liebst du?

Tu es!