Wahrer Brunnen

Einige Zeit schon trage ich sie mit mir herum: Ideen zu einem Artikel über die Begegnung zwischen Jesus und der Frau am Jakobsbrunnen. Et Voilà! Gute Predigten habe ich zu der Bibelstelle gehört (vgl. Joh 4:1-42). Immer hat mir da etwas gefehlt bei der Auslegung. Die weibliche Sicht.

Die Frau am Jakobsbrunnen – sie ist für mich eine echte Powerfrau! In Verruf geraten, suchend, fand sie in Jesus den Messias. Sie erfuhr nicht durch’s Hörensagen von ihm. Sie traf ihn bei keinem Großevent. Nein – sie begegnete ihm höchstpersönlich beim Wasserholen zur Mittagszeit (in der sonst keiner unterwegs war).

Ich bewundere die Frau am Jakobsbrunnen. Sie hat einen starken Charakter. Das wird für mich schon zu Beginn der Unterhaltung deutlich. Zu dem Zeitpunkt weiß sie noch nicht, wer ihr Gegenüber ist. Umso beeindruckender, wie sie Jesus gegenüber tritt. Sie stellt ihm Fragen („Warum bittest du mich, dir zu trinken zu geben.“ Vs 9). Sie legt ihre Zweifel offen, erhebt Einspruch („Aber, Herr, du hast weder ein Seil noch einen Eimer…Woher willst du denn dieses lebendige Wasser nehmen?“ Vs 11). Sie konfrontiert – mit dem, was ihr auf dem Herzen liegt, bittet Jesus um Klarheit zu Dingen, die sie nicht versteht… („Sage mir doch, warum…“ Vs 19) – und sie ist konfrontierbar (Vs 13f). Sie schaut der Wahrheit ins Gesicht, schaut ihr Leben an und stellt sich damit Jesus („Ich habe keinen Mann…“ Vs 17). „Coming Out“ könnten wir das auch nennen. Ein Coming Out, dass mich stärkt, mir und Gott ehrlich zu begegnen.

Die Begegnung zwischen Jesus und der Samariterin ist die längste Bibelstelle, in der wir von Jesus und seiner Interaktion mit Frauen lesen können. Und es ist eine Stelle, in der es einmal mehr um Wahrheit geht. Um welche Wahrheit geht es da? Die Wahrheit über mein Leben, über mein Suchen, Irrwege? Über meine Fehler, Misserfolge, erfahrenes Unrecht, vermeintliche Schuld?

In der Frau am Jakobsbrunnen sehe ich eine Pionierin wahrhaftiger Selbsterkenntnis: eine Frau, die ihre Fehler und Schattenseiten kennt und benennt, aber nicht daran zerbricht. Eine Frau, die sich ausstreckt nach Mehr im Leben. Die ihre wahre Kraftquelle in Gott erkennt. Für mich ist die Samariterin – in ihrer Auseinandersetzung mit Jesus – Stellvertreterin für eine tiefe Sehnsucht in uns. Eine Sehnsucht, die Welt zu begreifen, unseren Mangel und Unfrieden zu stillen. Die Samariterin findet die Antwort auf ihr Fragen und auf ihre Not bei Jesus.

Noch ein weiterer Aspekt: Jesus bevollmächtigt am Ende der Begegnung die Frau, das Kommen des Messias zu verkünden. Sie, über die im Dorf wegen ihrer wechselnden Partnerbeziehungen gesprochen wurde, sie erhält von Jesus diese Ehrenaufgabe! (Schade nur, dass die Dorfbewohner zwar aufmerksam durch die Frau werden, sich aber dann doch erst von Jesus selbst überzeugen lassen, vgl. Vs 42 „Nun glauben wir, weil wir ihn gehört haben, und nicht nur aufgrund deiner Worte…“. Warum das so ist, darüber könnte man auch philosophieren… ich lass es sein).

Mich bestärkt die Samariterin auf meinem Weg, die manchmal unbequeme Wahrheit anzusehen, sie auszusprechen, und – in der Bestrebung eines Immer-Wieder-Neuanfangens – nicht die Tür hinter meiner Vergangenheit zuzuschlagen. Sie ermutigt mich, mein Leben in wahrhaftiger Nachfolge zu leben – mein Leben anzunehmen mit all den Makeln, im Wissen um meine Kraft und Jesu Auferstehungspower in mir. Die Begegnung am Jakobsbrunnen ist für mich eine Empowerment-Story par excellence für einen Weg, der mich zu einem Leben im Überfluss führt, auf dem Gott meinen Sehnsuchtsdurst mit seinem „lebendigen Wasser“ stillt (vgl. Vs 13, Joh 10:10 sowie Joh 14:6).

 

Wer bist du?

Du bist groß. Du bist dunkel. Kalt.
Schneller Herzschlag. Atem stockt.
Kloß in meinem Hals. Alarmstufe rot.

Drei Schritte zurück,
statt einen voraus.
Du lauerst Gefahren,
Kennst sie zuhauf.

Kein Risiko, kein Fehltritt.
Vorsicht!
Jeder könnte es sein,
dir Böses wollen.
Also bleibst du allein.

Allseits bereit zum Lauf deines Lebens.
Sieg im Kampf erscheint dir vergebens.
Gleichzeitig fürchtest du, –
dass du es nicht bist…
nicht bereit.

Der Weg weg von hier scheint so weit.
Du bist auf der Hut, dir fehlt der Mut.
Fragst dich, ob du’s tatsächlich bringst,
deinen Gegner vielleicht heute bezwingst.

Vertrauen auf Null.

Du bringst mich um die schönen Tage,
Ich seh, dass du wankst,
Ich will, dass du fällst.
Du bist meine Angst.

Ich lass dich gehn.
Risiko, Fehltritt, Wagnis!
Kann das Gute im Menschen sehn.

Wer bist du?

Meine Angst.

 

„Gefühle sind wie Wellen, wir können sie nicht aufhalten, aber wir können uns aussuchen, auf welcher wir reiten wollen.“ Jonatan Martensson

 

 

Sanftmut: einfach himmlisch!

„Sanftmütig führst du mich, hin zu deinem Licht, ich darf bei dir sein!“ heißt es in einem wunderbaren Song der Outbreakband mit dem Titel „Mittelpunkt“.

„Du bist so sanftmütig, Gott!“ das weiß ich. Aber ich kann das oft nicht glauben. So oft fühle ich mich im Alltag verloren. Ich verzage an den vielen Lasten in meinem Leben. Alte Lasten, die ich nicht so recht loswerde, auch wenn ich mir das wünsche und sie immer wieder Jesus ans Kreuz lege. Mein Geduldsfaden ist ausgedünnt. Ich habe das Warten satt und ich wünsche mir die eine ganz große Veränderung in meinem Leben – sofort, durchgreifend!

Gott hat einen guten Plan. Ich sehe auch, dass er schon Neues in meinem Leben begonnen hat. Trotzdem ist mir das oft nicht genug und ich bin zornig – auf Gott und mich, weil ich mich wieder mal im alten Muster verfangen habe. Kennst du das auch? Unangenehme Gefühle übermannen dich. Du hast wenig Nachsicht mit dir und deinen Fehlern, verlierst dich in grober Selbstanklage. Ich wünsche mir in diesen Momenten des Zorns auf Gott, mich und die Welt jemanden an die Seite, der sanftmütig ist, der es gut mit mir meint. Nicht nur als Vater im Himmel, sondern ganz nah bei mir. Ich wünsche mir, dass ich mir selbst sanftmütig begegne in meinem täglichen Ringen.

Martin Luther sagte einst: „Sanftmut ist der Himmel, Zorn die Hölle, die Mitte zwischen beiden ist diese Welt. Darum, je sanftmütiger du bist, desto näher bist du dem Himmel.“

Ich will dir nah sein, Gott! Nah am Himmel und über den Herausforderungen meines Lebens stehen – sanftmütig. Mit himmlischer Milde und Stärke mir selbst begegnen. Lehre mich und alle, die auch diesen Wunsch in sich tragen, Herr, sanftmütig zu sein. Stärke meinen Glauben in deinen guten Plan für mein Leben. Lass mich mit deinen Augen auf das zarte Pflänzlein des Neuanfangs schauen, das schon ist – durch deine Gnade und Barmherzigkeit. Du hälst es sorgend in deinen Händen. Lass mich dieses Pflänzlein würdigen, dass es wächst und gedeiht und Frucht bringt zur rechten Zeit.

„Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.“ Matthäus 11:29.

Mehr zu biblischer „Sanftmut“ könnt ihr in dem Artikel „Sanftmut – was ist das?“ auf der Internetseite des ERF (Evangeliumsrundfunk) lesen.