Archiv der Kategorie: Beziehungen

Unsere Seelen

Wenn ich frei von Angst bin,
du frei von Schmerz,
treffen sich unsere Seelen.

Wenn ich frei von Traurigkeit bin,
du frei von Wut,
treffen sich unsere Seelen.

Ich höre dein klares Sprechen.
Du hörst mein klares Sprechen.
Ich schau dich an.
Du schaust mich an.

Liebe nimmt sich Raum.
In uns, um uns.
Ich kann dich spüren.
Du kannst mich spüren.

Frei. Verbunden.

Gut zu Vögeln

Ja man kann die Dinge so oder anders sehen. Denn den Impuls für diesen Blogbeitrag und den (mehrdeutigen) Titel erhielt ich beim Nachdenken über den heutigen Losungstext: „Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?“ Matthäus 6: 26.

Das Christus Zentrum Arche veröffentlicht täglich eigene Gedanken zur Tageslosung. Immer wieder gut, finde ich. Heute besonders anregend. „Eine Frage des Blickwinkels“ sind die heutigen Gedanken überschrieben. Wohin blicke ich?

Ich blicke auf mein Leben und sehe vieles, was mir daran nicht gefällt. Ich blicke tendenziell eher auf das, was fehlt als auf das, was schon ist. Ich mache mir Sorgen um morgen und zerbreche mir den Kopf über viele Dinge. Mit der heutigen Bibelstelle sagt Gott zu mir: Sorg dich nicht, schau auf mich, und du wirst bekommen, was du brauchst. Ich versuche, das zu tun – auf Gott zu schauen und mich zu lösen von den vermeintlichen Sorgen dieser Welt. Mal klappt das gut, mal weniger gut. Work in Progress.

So ist das auch mit dem Bloggen. Heute habe ich den Mut zu einer reißerischen Überschrift – die, wie ich eben feststelle, zu 100% wortgleich ist mit einem Film, der seit Ende Januar in den Kinos läuft. Ist mir glatt entgangen. Aber ich erinnere mich an einen derben Blondinenwitz aus meiner Schulzeit. Jetzt hat das Wortspiel jemand für einen Film und ich für meinen Blog aus der Schublade gekramt.

Ich bin neugierig geworden…und lese – um Up-to-Date zu sein –  den Infotext zum Film: „Eine anti-romantische Liebeskomödie über die Bindungsunfähigkeit unserer Generation“, heißt es da. „Uff! Das schau ich mir nicht an“, denke ich.

Und just wendet sich mein Blick wieder diesem Blog zu. Durch eine gute Beziehung mit Gott und wachsendes Vertrauen in ihn verändern sich auch meine zwischenmenschlichen Beziehungen. Weg vom flüchtigen, unverbindlichen und losen Zusammenkommen hin zu einem guten Miteinander – und das als Kind der „Generation Bindungsunfähigkeit“.

Wie geht es dir in Beziehungen? Wurdest du enttäuscht und hast keine Lust mehr, dich in Beziehungen zu investieren? Hast du Angst, dich fest zu binden, aber dennoch sehnst du dich nach Beziehung und Gemeinschaft?

Wenn Gott gut zu Vögeln ist – wie es im Matthäusevangelium heißt – wieviel mehr können wir Menschen uns dann auf Gottes Güte verlassen?! Ihm geht es als Versorger um mehr als nur um das Allernötigste. Er hat uns Menschen in all unserer Bedürftigkeit im Blick. Er will auch unseren Seelenhunger stillen, unseren Hunger nach Beziehungen, nach gesunden Verbindungen. Und er macht seine Sache gut.

 

Zeit zu Zweit

Beim Essen in der Kantine beobachte ich ein wiederkehrendes Phänomen, das ich auch aus anderen Zusammenhängen kenne. Ich nenne es das „Dritter im Bund statt Zeit zu Zweit“-Phänomen:

Ich bin mit einer Freundin verabredet – zu einem Vieraugengespräch. Es gibt ein paar persönliche Dinge zu besprechen. Die Kantine ist nicht der ideale, aber an diesem Tag der günstigste Treffpunkt.

Das erhoffte Gespräch kommt nicht zustande, weil sich just jemand Drittes zu uns setzt. Zack! Das dritte Tablett steht auf dem Tisch. Stuhl Numero Drei zurecht gerückt. Noch ehe ich realisiert habe, was geschieht, hat die dritte Person  das Gesprächsthema eröffnet. „Verdammte sch…!“ denke ich innerlich. Ich schaue perplex. Ringe mir dann ein Lächeln ab: „Guten Appetit!“.

Das Phänomen „Dritter im Bund statt Zeit zu Zweit“ in einem Moment, in dem ich eigentlich etwas Wichtiges mit meiner Freundin besprechen will, kommt mir ungelegen. Noch schlimmer wird es in Situationen, in denen die Zeit zu Zweit für ein männliches Gegenüber reserviert war. Die dritte Person verursacht dann nämlich eine massive Störung im Intimitätsgetriebe. Wusch! Rosarotfärbung der Szene ausgewischt. Trockener Schlechtwetter-Talk. „Dieser Moment kommt nie wieder!“ schreit es in mir.

Was in diesem Moment von der erhofften Zweisamkeit bleibt, ist ein leises Knistern. Eine kleine Verbindung zu der Person gegenüber, mit der ich gerade so exklusiv meine Zeit teilen wollte. Interessant finde ich, dass es der „störende“ Dritte schließlich doch nicht schafft, die schöne wärmende Verbindung zwischen uns aufzuheben. Auch ein Phänomen: dass die Verbindung zwischen Zweien trotz gravierender Störungen nicht abreißen muss.

Etwas anders, und doch ähnlich, erlebe ich das mit Gott.  Auch wenn mir viele Menschen in mein Leben reden, spüre ich den besonderen Draht zu ihm. Ich bin manchmal traurig, dass ich meine Zeit nicht störungsfrei mit ihm verbringen kann. Mich frustriert es, wenn die Kommunikation mit ihm durch das Reden eines Dritten unterbrochen wird. Aber schließlich habe ich zwei Optionen: Entweder rechtzeitig reagieren und für die Exklusivzeit mit Gott tatsächlich zwei Plätze im Séparéé reservieren. Oder mich ab und an stören lassen und entspannt dabei bleiben. Denn wichtiger als die Zeit zu Zweit ist das Wissen, dass die Verbindung zwischen ihm und mir auch durch Störenfriede von Außen nicht gekappt werden kann.

Darüber hinaus bin ich froh, dass es viele viele wohltuende störungsresistente Verbindungen auch zwischenmenschlicher Art in meinem Leben gibt. Viele tolle Menschen, mit denen ich mich verbunden fühle.

Danke, dass ihr da seid!

 

 

Leichter lieben

Vom 6. bis zum 9. August 2015 fand in Speyer die „Keep Your Love On!“(Lass deine Liebe an!)-Konferenz mit Danny Silk aus Redding (Kalifornien, US) statt. Wer mehr darüber erfahren will, dem lege ich das Buch mit dem gleichnamigen Titel (in Englisch oder Deutsch) ans Herz. Darüber hinaus findet Ihr Material auf der Webseite von Danny und diverse Videoclips bei Youtube.

Der Amerikaner aus dem Kreis der Bethel Church Gemeinde macht Lust darauf, sich mit seinem Sein und Haben, in Beziehungen auf Augenhöhe zu investieren. Und er gibt hilfreiche Tipps für mehr Verbundenheit, Achtsamkeit und gesunde Grenzen im Miteinander. Humorvoll, sensibel und smart.

Hab keine Angst, lass deine Liebe an!

Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. 2. Timotheus 1 / 7

Treusein

Manchmal ist es so: Ich zweifle. Ich frage mich, ob dies der richtige Weg ist. Gott, wo bist du? Ich bin unzufrieden, sehne mich nach Veränderung, fühle den Mangel.

Vielleicht sollte ich noch etwas anderes studieren? Besser ich kündige diesen Job. Ich überlege: Macht es Sinn, mich weiter in diese Beziehung zu investieren? Ich kann es einfach nicht mehr ertragen. Ich hadere mit mir: Nein, so kann das nicht weiter gehen. Jetzt wird alles anders!

Ich esse zum Frühstück Kiwi – schön auf meinem Teller trapiert – um mittags festzustellen: Ich habe Riesenhunger – will keine Selbstkasteiung! Als natürliche Konsequenz esse ich dann die doppelte Portion Pestonudeln mit Parmesan, und (esse) später wie gewohnt weiter. Dann sage ich mir: Das ist irgendwie besser als „(Unreife)-Kiwi-Aushöhlen“ (die verträgt sich nämlich auch gar nicht mit meinem Milchkaffee) und übe mich in Selbstliebe: So wie ich jetzt bin, bin ich wunderschön!

Oft wollen wir es anders haben. Oft wollen wir anders sein. Doch die Sache mit der Treue, die hat schon etwas für sich. Nicht abhauen. Nicht weggehen. Bleiben. Nicht so viel an sich rumwerkeln und nicht an Anderen. Manchmal gerade dann, wenn es am Schwersten scheint. Den Brunnen tiefer graben, statt aufbrechen. Solange, bis ich irgendwann zum Grundwasser vordringe, aus dem Vollen schöpfen kann, mich erfrischt und erfüllt fühle.

Denn auch an einem anderen Ort, mit anderen Menschen und mit einem anderen Partner werden sich nicht alle meine tiefsten Sehnsüchte erfüllen. Ich lebe in dieser Welt und da ist nicht alles so gut, wie ich mir das erträume. Allerdings glaube ich auch: Das Beste kommt noch!

Mit meinem Unmut, mit meinem Frust, im Leiden und in all meiner Verzweiflung kann ich mich Gott anvertrauen. Wenn ich mich auf Ihn einlasse und mich in Ihn investiere, wenn ich mit Ihm rede, statt zu schweigen, dann verändern sich die Dinge. Dann verändere ich mich – ohne dass ich zwangsläufig so viel um mich herum ändern muss. Wenn ich mich treu Gott zuwende und mich auf Seine Liebe einlasse, wird mein Mangel geringer. Wird mein Herz friedlicher. Wenn ich Seine Gegenwart suche und vor Ihn trete, mit allem, was ich bin, dann rüstet Er mich aus für Beziehungen, für Situationen, für Herausforderungen dieser Welt. Es tut gut, treu zu sein. Gerade dann, wenn es mir besonders schwer fällt, erlebe ich: Im Treusein schenkt mir Gott immer wieder Momente der Glückseligkeit – ohne Angst, ohne Zweifel. Momente, in denen ich erkenne, wie gut es tut, zu bleiben, auszuharren, mich mit Menschen auseinanderzusetzen, zu streiten und zu vergeben, wie gut es tut, zu lieben.

In den Zeilen von Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (der Losungstext von heute) lese ich Heilsgewissheit und Frohsinn für all diejenigen, die treu sind:

Die Liebe wird uns leiten, den Weg bereiten und mit den Augen deuten auf mancherlei, ob’s etwa Zeit zu streiten, ob’s Rasttag sei. Wir sehen schon von Weitem die Grad und Zeiten verheißner Seligkeiten: nur treu, nur treu!

Alles nur Fassade

Manchmal, wenn ich in Nürnberg an den vielen Mietshäusern mit buntem Anstrich vorbeigehe, würde ich gerne einen Blick hinter die Fassade werfen. Betrete ich eine Wohnung, eröffnet sich mir eine Innenwelt, die oft ganz anders ist, als das, was ich mir zuvor ausgemalt habe. Zumeist bin ich sehr positiv überrascht – nicht von der Einrichtung als solches (ja, manchmal auch das!): Ich fühle mich wohl, in fremden Wohnungen zu Gast zu sein. Für mich sind dies Einladungen, einander in einer anderen Weise zu begegnen als wir das im Alltag, auf der Arbeit, beim Sport, auf der Straße oder beim Einkaufen tun. Die Person zeigt mir etwas mehr von sich. Sie zeigt mir, wo sie zu Hause ist, dort, wo sie – und wenn sie es nur für sich alleine und für kurze Zeit tut – ihre Masken abnimmt. Die Wohnung eines Anderen zu betreten, das hat für mich etwas Heiliges. Ich betrete ein Stück Intimssphäre des Anderen. Ich erlebe das als große Bereicherung. Ich bin dankbar und bemühe mich, der Person und ihrer Wohnung mit entsprechendem Respekt zu begegnen.

Ein Gedankenspiel: Ich klingele unten an der Haustüre, in Vorfreude und Neugier darüber, was mich oben erwarten wird. Ich stelle mich darauf ein, dass ich die Wohnung betrete, mir die Schuhe ausziehe und auf einem Sofa oder Stuhl Platz nehme, die Bilder und Dekoration beschaue, während mir mein Gastgeber einen Tee oder Kaffee kocht und ein paar Kekse auf den Tisch stellt – als Auftakt sozusagen, bevor wir zu erzählen beginnen… Doch dann – die Haustüre öffnet sich – übertrete ich die Schwelle und finde mich schlichtweg auf der Hausrückwand wieder. Kein Hausflur, keine Wohnungstüre, keine Innenansicht. Alles nur Fassade! Da stehe ich nun – bleibe außen vor. Enttäuschung macht sich breit. Leere. Was soll das? Ich werde sogar ein bischen wütend. War das etwa alles nur Show?

Das Wort „Fassade“ beschreibt laut Duden neben der vorderen Außenwand eines Gebäudes ein „äußeres Erscheinungsbild, das über den wahren Hintergrund, das eigentliche Wesen von jemandem, nichts aussagt, es verbirgt.“ Im Alltag ist Vieles ersteinmal Fassade. Wir alle tragen unsere Masken. Es ist kaum möglich, ohne etwas Fassade als ganzer Mensch in unserer Gesellschaft zu bestehen. Nur ich befürchte: viele Menschen wissen gar nicht, wer und was sie als Ganzes und im Innern sind. Oder sie haben Angst davor, sich damit zu zeigen. Wir werkeln an unserer Fassade: an unserer Kleidung, der Figur, dem Erscheinungsbild. Und wir vergessen dabei unser Inneres zu pflegen, unsere Gedanken, unser Herz.

Für mich hat es einen ganz besonderen Wert, wenn mich Menschen hinter ihre Fassade blicken lassen. Ich freue mich, Menschen zu treffen, die nicht so supersaniert aussehen, Menschen, die in ihrer Natürlichkeit erstrahlen, Menschen, die authentisch sind. Das ermutigt mich, mich auch so zu zeigen. Doch wie schaut Gott auf uns, auf dich und mich?

Gott läßt sich durch menschliche Fassaden nicht täuschen. Er sieht unser Herz und unsere Gedanken, ob wir Ihn bewusst einlassen oder nicht. Das kann vielleicht, sollte dir aber keine Angst machen. Gott ist nicht der „big brother“ eines Überwachungsstaates, der uns kontrolliert und alle Details zu unserer Person gnadenlos gegen uns verwendet. Im Gegenteil: Dass er mich kennt und sieht, wie ich wirklich bin und mich genauso liebt, das nimmt mir die Angst, das gibt mir Freiheit: Ich brauche mir nicht den Kopf zerbrechen, wie ich am besten Eindruck bei Ihm schinde. Ich muss mich nicht sorgen, wenn ich bei Seinem unangekündigten Besuch meine „Gedankenbude“ nicht aufgeräumt habe. Er kommt einfach gerne zu mir, weil Ihm an mir gelegen ist. Er freut sich bei mir und mit mir zu sein. Er braucht keinen Kaffee, keine Kekse, kein Geplänkel.

Ich bin mir sicher: Er hat seine Freude an meiner Echtheit, wenn ich so bin, wie Er sich das gedacht hat. Ohne Maske, ohne Schein. Echtsein in einer Gesellschaft, die voller Schauspiel und Maskerade ist, ist eine Herausforderung. Doch ich finde: Diese Show muss nicht weitergehen! Gott zeigt mir, dass ich mich vor dem Echtsein nicht fürchten muss. Ich wünsche uns allen mehr Mut, uns selbst mit allem, was wir sind und dort, wo wir sind, zu zeigen. Ich wünsche uns, dass wir einander einladen, hinter die Fassade zu blicken, um die Schönheit des Echten zu erleben.