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Gottes Liebe rostet nicht

Sich selbst und einander zu lieben: eine Herausforderung, eine Lebensaufgabe, ein Auftrag. Gott macht den Anfang. Er liebt uns so wie wir sind. Egal, was wir tun. Gestern, heute und morgen. Immer. Das ist manchmal schwer verständlich und nicht unbedingt zu spüren. Aber es lohnt sich, sich nach seiner Liebe auszustrecken. Ich bin mir ziemlich sicher: Wenn wir sie wirklich suchen, finden wir sie. Oder sie findet uns.

„Die Liebe ist geduldig und freundlich. Sie ist nicht neidisch oder überheblich, stolz oder anstößig. Die Liebe ist nicht selbstsüchtig. Sie lässt sich nicht reizen, und wenn man ihr Böses tut, trägt sie es nicht nach. Sie freut sich niemals über Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich immer an der Wahrheit. Die Liebe erträgt alles, verliert nie den Glauben, bewahrt stets die Hoffnung und bleibt bestehen, was auch geschieht.“

1. Korinther 13: 4-8

 

Schirmherrschaft

Vielleicht kennst du das? Tatsache ist: Du bist wichtig! Trotzdem kannst du es manchmal nicht glauben. Du bist verunsichert, wenn andere dich oder dein Handeln in Frage stellen. „Was machst du? Was willst du damit machen? Hast du das schonmal gemacht?“ Gegenüber gewissen Frage-Antwort-Situationen möchte ich mich am liebsten abschirmen. Bloß keine Fragen jetzt! Schnell weg hier, irgendwo verkriechen, weil sich die innere Kritikerin und der Rest der Welt gegen mich verschworen haben. Die Message, die dann durch solche Fragen bei mir ankommt, ist nämlich die: Um wichtig zu sein, muss ich irgendetwas tun. Einfach nur sein – das geht doch nicht! Also: Was machst du? … Ähm…nichts! Du meinst, was ich arbeite? … Nichts, ich bin gerade arbeitslos. Schweigen auf der Gegenseite. Aha!-Gesichtsausdruck. Und ich fühle mich schlecht,…irgendwie unwichtig, weil ich zur Zeit nichts Weltbewegendes tue.

Kennst du das? Den Wunsch und die Bestrebung, dich wichtig zu fühlen? Dann will ich dir eine kleine Geschichte erzählen – über’s Wichtigsein, über Stolz und… über den Begriff der Schirmherrschaft (den Zusammenhang dieser drei erfährst du beim Weiterlesen…keep going!).

Als Schülerin nahm ich mehrfach an Schüler-Planspielen teil. Hauptmotiv: Mich wichtig fühlen. Und so war ich beispielsweise eine von 120 Schülerinnen und Schülern, die im Rahmen der Expo im Jahr 2000 bei „EXPOMUN“ mitmachte. Die Abkürzung „MUN“ steht für Model United Nations. Die Idee dieses UN-Planspiels bestand darin, in die Rolle eines UN-Länderdelegierten zu schlüpfen und Weltpolitik zu machen. Hieß: Diskutieren über Handelsverträge (ich war Delegierte des Staates Jamaika im Wirtschafts- und Sozialausschuss). Aushandeln. Resolutionen verabschieden. Ich hatte wenig Ahnung von Jamaika, dem Land, das ich während der Sitzungswoche vertrat. So brachte ich mich auch relativ wenig in die Debatten ein. Ab und zu hob ich mein Stimmkärtchen, um über Resolutionen mitzuentscheiden (als Orientierung dienten mir andere, politisch nahe Länderdelegierte). Und zwischendurch, während den zähen Debatten, träumte ich von einer besseren Welt.

Was ich aus den Tagen auf dem Expogelände mitnahm, war: Egal, wie schlecht ich mein Land vertrat…ich war dabei! Und das macht mich bis heute noch etwas stolz. Denn – und nun kommt der schöne Begriff der „Schirmherrschaft“ ins Spiel – EXPOMUN 2000 fand unter der Schirmherrschaft von Kofi Annan statt. Ich fühlte mich wichtig, bei einer Sache dabei zu sein, bei der der damalige UN-Generalsekretär Pate stand.

Seither liebe ich das Wort „Schirmherrschaft“. Ich habe an einigen Projekten mitgemacht, bei denen bekannte Persönlichkeiten Schirmherren waren. Immer wieder war ich stolz darüber, auf diese Weise näher an diese wichtigen Personen heranzurücken. Ich fühlte mich wichtig, weil sie wichtig waren! Doch die Teilnahme an solchen Projekten empfand ich ehrlich gesagt auch als sehr anstrengend: lange Vorbereitungs- und, oder Anreisezeiten, die richtige Etikette, adrett Anziehen, Smalltalk und intellektuelle Diskussionen, wenig Schlaf. Da stand ich im Konflikt: Will ich mich wichtig und k.o. fühlen? Oder…sollte ich nicht mehr teilnehmen an solchen Aktionen – mit der Folge, mich klein und unbedeutend zu fühlen, weil ich nichts Weltbewegendes tat? Konnte das die Alternative sein?

Wirklich befriedigend erschien mir Option Zwei nicht. Bis heute gehe ich hier und da an meine Grenzen, engagiere mich über die Maßen, in dem Wunsch, mich wichtig zu fühlen und, um ein wenig stolz zu sein. Dabei hat mir Gott längst eine dritte Option gezeigt:

Gott bin ich wichtig, ohne dass ich an wichtigen Projekten teilnehme. Gott ist der wahre Schirmherr meines Lebens. Er ist das nicht nur für eine Sitzungswoche, für ein Event. Nein! Seine Schirmherrschaft ist gewiss, egal, ob das, was ich tue, dem guten Zweck dient oder nicht. Gott steht mit seinem Namen für mich ein. Er legt die Hand für mich ins Feuer. Er steht hinter mir. Er ist stets zu 100% dort, wo ich bin und hält seinen schützenden Schirm über mich. Er verteidigt mich mit seinem göttlichen Schild gegenüber lästigen Fragen und sagt: Du bist wichtig!

Diese Erkenntnis gibt mir ein Gefühl wichtig zu sein, ganz gleich was ich tue. Denn Gott richtet seine volle Aufmerksamkeit auf mich (obwohl ich meine nicht immer auf ihn richte). Er freut sich, wenn ich einfach mal nichts tue und ihm die Welt überlasse. Er setzt mich nicht unter Druck, mein Stimmkärtchen für ein Land zu heben, das ich eigentlich gar nicht wirklich kenne. Er ist FÜR mich – immer! Und umso mehr ich das begreife, umso mehr erlebe ich es: dieses tiefe innere Gefühl von Wichtigsein, Wertvollsein, Wunderbarsein.

Es ist befreiend, dass mein Leben unter Gottes Schirmherrschaft steht. Es gibt mir Zuversicht, Halt und Kraft, insbesondere in Zeiten, in denen ich nichts wirklich Weltbewegendes tun will und kann. Ich bin wichtig. Ich bin stolz. Denn ich darf unter Gottes Schirm sitzen und einfach nichts (wichtiges) tun.

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe. (…) Seine Wahrheit ist Schirm und Schild, dass du nicht erschrecken musst (…) Aus Psalm 91, Lutherbibel.

Götterboten

Mir geht noch immer die Tageslosung von Gestern durch den Kopf. Ein Auszug aus dem achten Kapitel der Apostelgeschichte. Darin erscheint Philippus ein Engel und spricht: „Steh auf und geh nach Süden…“ (Apostelgeschichte 8: 26-27). Ich wünschte mir, ich könnte mit gutem Gewissen sagen, mir sei dieser Götterbote erschienen. Ich würde mich freuen über eine solch göttliche Forderung. „Auja, ab in den Süden!“ Doch in Sekundenschnelle ist er wieder dahin, mein Traum vom Aufbruch. Eingeständnis: Gott hat nicht mich gemeint, sondern Philippus!

Ich falle zurück auf den Boden der Tatsachen.

Warum aber hat mich diese Gottesbotschaft so angesprochen?

Ich scheue mich einfach, dem Unvermeidlichen ins Auge zu sehen und suche verzweifelt nach Auswegen: Auch wenn die Sonne noch scheint, der Sommer ist vorüber und mit dem Herbst (und all den Adventskalendern, Pfeffernüssen und Lebkuchen im Supermarkt) steht auch schon der Winter vor der Haustür. Schrecklich!

Die Blätter welken, wandeln ihre Farbe, fallen. Ich versuche mir einzureden, wie wunderbar es ist, dass Gott Jahreszeiten schuf und dass jede ihre eigene Qualität hat. Trotzdem: Der Sommer ist und bleibt meine favorisierte Jahreszeit! Und jetzt bin ich einfach absolut frustriert.

Im traurigen Abschiednehmen von all den herrlichen Sommersonnentagen wünsche ich mir, dass Gott ein Heer an Engeln schickt, die mich in die kalten, trüben, nassen Tage des Jahres begleiten. Ich habe das Gefühl, es nicht alleine zu schaffen.

Ich wünsche mir…

  • drei Engel, die mich motivieren, morgens, wenn es noch stockfinster ist, aufzustehen.
  • drei Engel, die mich anfeuern, eine Strumpfhose unter meine bunten Stoffhosen zu ziehen.
  • drei Engel, die mich umjubeln, wenn mir der Wind auf dem Rad entgegenbläst und die mir abends in der Badewanne heißes Wasser über meine durchgefrorenen Füße gießen.

Das sind dann drei mal drei Engel für Anna. Ich glaube, damit könnte ich den Übertritt in die kalte Jahreszeit unbeschadet schaffen. Alternativ mache ich mir wieder einmal Gedanken, ob ich – auch wenn mich Gott gestern nicht direkt angesprochen hat – wie Philippus aufstehen sollte, um nach Süden aufzubrechen. Ist das die Alternative zur Winterdepression?

Ich habe wieder einmal sehr verrückte Gedanken. Es tut einfach gut, sie mit einer Prise Humor niederzuschreiben. Auch wenn du dir vielleicht in diesen Tagen ganz andere Gedanken machst.

Mein Fazit heute: Ich darf Gott nicht meine Wünsche unterschieben und dann jedes Wörtchen, das ich aus der Bibel oder sonst wo aufschnappe (und das göttlichen Bezug hat), direkt auf mich beziehen. Nicht immer, bin ich gemeint, wenn Gott spricht. Und nicht immer ist das, was ich meine, zu hören, eine Message von Gott an mich. Manchmal gilt seine Botschaft anderen Menschen. Manchmal, da heißt es für mich, geduldig warten. Auf die nächste Engelsbegegnung. Die nächste klare Ansage. Den nächsten Sommer.

„Dein Wort ist meines Fußes Leuchte…

… und ein Licht auf meinem Weg.“ Psalm 119 / 105

Meine Mitbewohnerin legte mir kürzlich den hier zitierten Vers aus Psalm 119 nahe. Ich habe die Stelle vorher nie gelesen. Es gibt überhaupt viele Bibelstellen, die ich noch nie gelesen habe. Ich schäme mich manchmal im Gottesdienst, wenn der Pastor in der Predigt sagt: „In Vers soundso – den kennt ihr ja – da heißt es…“

Da! Ertappt! Ich sinke leicht errötet ein paar Milimeter im Stuhl ein, rutsche dann schnell wieder (mein Krönchen) zurecht, lausche weiter aufmerksam der Predigt und notiere mir den Vers, von dem gerade die Rede war. „Später lese ich den daheim noch einmal nach!“ sage ich mir motiviert. Zurück Zuhause, tue ich das allerdings selten. Bislang zumindest.

Neulich stieß ich in der Humboldtstraße auf einen alten Kronleuchter am Straßenrand. Sofort fotografiert für eben diesen Beitrag! Vorgestern nahm ich mir nun die Zeit, den 119er Psalm (eine Liebeserklärung an Gottes Wort), in meiner Bibel-Einheitsübersetzung nachzuschlagen.

Buff! Der Psalm schlägt ein wie der Blitz. Ich bin begeistert! Er motiviert mich, mehr in der Bibel zu lesen, mich intensiver mit einzelnen Versen zu befassen, sie in den Kontext einzuordnen, auf mein Leben hin zu verstehen und all das Wertvolle daran zu verinnerlichen.

Als ich mich 2009 neu für den Glauben und Gott öffnete, wollte ich anfangs ganz viel wissen, viel lesen. Ich hatte Nachholbedarf. Ich war offen für das, was mir Gott zu sagen hatte. Voller Elan! In den ersten Wochen nach meiner Bekehrung las ich wirklich viel.

Im Hauskreis verlor ich interessanterweise irgendwie meine Lust am Bibellesen. Mir war das oft zuviel: ich war als „Baby-Christ“ verunsichert, weil ich Mühe hatte, die Bibelstellen zu finden, zwischen denen wir hin und her sprangen. Zulange Stellen, zuviel Input! Und ich hatte oft andere Ansichten, Nachfragen und andere Themen, die mich bewegten. Zu allem Übel, vergaß ich meist innerhalb von drei Tagen, worüber wir bis in die Nacht hinein diskutiert hatten. Das war echt frustrierend!

Seit ich diesen Blog begonnen habe, tue ich mich wieder viel leichter mit dem Bibellesen. Ich suche Gott in allen Dingen und entdecke ihn im Alltäglichen. Dort erlebe ich auch, wie brandaktuell die Bibel ist. Sie hilft mir in den unterschiedlichsten Situationen und Herausforderungen, die ich meistern muss. Ich bin froh, dass ich wieder einen Zugang zu Gottes Wort gefunden habe, der für mich passt.

Im Oktober erscheint eine neue Bibelausgabe. Die Neues-Leben-Übersetzung als eine Art Do-It-Yourself-Bastelbuch. Mit exra-dickem Papier, viel Platz zum Anstreichen und Hervorheben, für Randnotizen und Schnörkel. Genau, was ich brauche! Diese Form des kreativen Zugangs zum Bibellesen nennt sich „Bible Art Journaling“.

Falls auch du bislang oder im Moment Schwierigkeiten mit Bibellesen hast: es gibt inzwischen so viele verschiedene Wege, um wieder Spaß am Bibellesen zu bekommen: die Losungen (als Büchlein für zuhause oder digital), Filme, einen Bibelleseplan, das Magazin „Faszination Bibel“, Bibelhörbücher usw. Lust auf Bibel macht auch Ulla Schaible in ihrer Kurzpredigt zu Psalm 119, 105.

Ich bin dankbar, dass ich statt der Mühe mit dem Bibellesen, immer mehr Freude an Gottes Wort habe. Gott will jeden mit seinem Wort erreichen, nicht eine bestimmte Zielgruppe. Insbesondere in Phasen der Orientierungslosigkeit, dann, wenn ich im Dunkeln tappe und nicht weiter weiß, weist mir Gott durch sein Wort den Weg – zu Menschen hin, zu mir selbst, an andere Orte, in neue Aufgaben, über schwierige Situationen hinweg. Ich begreife allmählich, welcher Schatz da im Alltag als Christin direkt vor meinen Füßen liegt. Es wäre schade, einfach daran vorbeizugehen.