Archiv der Kategorie: Dichtung

Gebetswehen

Nimm den Schmerz aus meinem Herz!

Ja, ich gesteh, zutiefst betrübt:
Bitten über Bitten.
Statt Dankbarkeit.

Zuviel an Leid,
das ich da seh.
Die blanke Wahrheit.
Sie tut weh.
Bringt meine Welt zum Kippen
schier.
Und mir
obliegt die Wahl:
Entscheid ich mich für’s Böse gar,
nehm’s Gute statt der Qual?

Für wen, für was, wo leb ich hier?
Plage mich ab.
Ringe mit dir.

Krallend am Kreuz, Herr, wind ich mich
dein Kind bin ich – voll Kummer noch,
so fleh ich, Gott: „Hol mich da raus!
Ich bitte dich. Zeit ist es doch.“

Du packst mich, brüllst,
mit harter Hand, greifst meinen Arm:
„Schau mein Gesicht,
warum, ich kam!
Nimm endlich an, was ist.
Bin da für dich.
Glaub’s jetzt!
Stets.
Ewiglich.“

Hier ist er, ach, der Löwenmann!
Der mich sieht, kennt, liebt, und
auch ins neue Leben führt.

Ich atme auf. Kehr um.
Zum „Danke!“ hin.
Zu Ihm.

Umgeben ganz von Dunkelheit
entkommen wir der Last.
In deinem Schoß, bei dir.
Es ist soweit.
Nun schweben wir.

Im Licht.
Kein Schmerz, der sticht.
Die Seele heil.
Im Herzen ganz.
Leben in Eden.
Du und ich eins.

Ein Rosenbett, in Frieden ruhn,
ein Lächeln gleich. Nichts, ist zu tun.

Glaube gebiert wirres Gebet,
wo der Wind weht, sich dreht und ich schwinde,
da ist’s, wo ich – schmerzfrei – mein Herz wieder finde.

Heldengeschichte

Ich stehe da. Kerzengerade.
Brust raus! Die Nase vorn.

Brech aus aus alten Mustern.
Die Weichen neu gestellt.
So liebe ich mein Leben.
Verrückt, wie’s mir gefällt.

Die Brille für den Traumblick.
Die Zukunft liegt vor mir.
Im Hier und Jetzt voll Feuer,
mit Kraft – sie kommt von dir.

Jesus, lass mich sehen, was du tust.
Nimm mich mit!
Ich folge dir!
Alleingang, der war gestern.
Umarmt vom neuen Wir.

Abba, guter Vater,
ich schrei es aus:
die Liebe lebt.
Die Erde bebt,
der Asphalt bricht.
Und endlich kann ich’s spüren.
Glaub die Geschichte selbst.
Von einer Heldin.
Einem Riesen.
In mir. In dieser Welt.

Wie zu Kindertagen

Wenn die Stadt lärmt, hupt, stinkt und schreit,

am liebsten würd‘ ich rennen.

Wenn Menschen in der Stadt sich drängen, ins Leere reden,

sich kaum kennen,

Erinnerung an Kindertage – das Einzige, was bleibt.

Wenn Stadt und Mensch mehr schlecht als recht,

ich meine Welt kreiere,

das Gute suche, und es finde. Im Innern große Traurigkeit.

Ich schau sie an, sie schaut zurück.

Das Kind im Glück, wie war das gleich?

Vor mir steht’s hier, fängt’s Weinen an.

Ich denk: „Halt’s fest, tust gut daran.“

Ich drück‘ es an mich, stehe still.

Die Menschen, die Stadt, nicht, was ich will!

In diesem Moment, in dieser Stund‘, ist Trauer nur…gewiss.

Da bin ich Kind und folg der Spur der Sehnsucht tief in mir.

Umarme sie, die Traurigkeit und bin umarmt zur selben Zeit:

Gott sieht mich, sorgt sich, ist bereit, als wär ich sie – die Einzge hier.

In dieser Welt, in dieser Stund‘, tu ich es kund:

„Da bin ich: Kind von Glücklichkeit!“.

Spuren der Liebe

Manchmal
mitten am Tag
scheint Gott spurlos verschwunden.

Manchmal
mitten am Tag
suche ich Ihn vergeblich.

Manchmal
mitten am Tag
bleibt mein leises Schreien unbeantwortet.

Manchmal
mitten am Tag
ist mir alles zu viel.

Manchmal
mitten am Tag
spricht er zu mir: Steh auf und geh!

Mitten im grauen Lärm der Großstadt
lässt er mich sehen: Spuren Seiner Liebe.