Archiv der Kategorie: Glaube

Hinter mir

„Glauben heißt erkennen, dass die Aufgabe, die vor uns liegt,
nie so groß ist wie die Kraft, die hinter uns steht.“
Pam Vredevelt

Lange Zeit begleitet mich die Geschichte am See Genesaret (vgl. Lukasevangelium Kapitel 5:1-11): Jesus beruft die ersten Jünger zur Nachfolge. „Auf Bruder, komm mit, ich hab da was für dich. Du wirst Augen machen. Fahr nochmal mit mir raus!“ „Das kann jetzt nicht dein Ernst sein, Mann!“ ärgerte sich Simon wahrscheinlich. Die halbe Nacht war er draußen auf See gewesen, ohne auch nur einen Fisch zu fangen. Eigentlich ist er erschöpft und will sich ausruhen.

„Aber Jesus, der ist in Ordnung, irgendwie nehm ich dem ab, was er sagt.“ Mit Jesus an Bord steigt Simon nochmal ins Boot, macht sich los und macht den fetten Fang. Eine coole Story – komprimiert auf 11 Verse (=12 feine Zeilen Text!).

„Und sie ließen alles hinter sich und folgten ihm nach“ so schließt die Geschichte in Vers 11. Simon ist so geflasht, dass er just zusammen mit ein paar Kollegen sein altes Fischerleben hinter sich lässt und Jesus nachgeht. Auf ins Abenteuerland!

In dem elften Vers steckte für mich lange Zeit die spirituelle Power, die ich für meinen eigenen Neuanfang brauchte. Die Vergangenheit hinter mir lassen, neue Wege gehn, mit Jesus hinter mir für den nötigen Rückhalt. Weg von allem Alten, alten Gedanken, Menschen, Dingen, Situationen. Ja, der Vers war hilfreich. So habe ich viele Aufgaben bewältigt. Aber manchmal hat mich die „Lass-alles-hinter-dir-Maxime“ auch sehr gestresst. Schließlich funktioniert es oft nicht wie gewünscht mit dem Loslassen und Neumachen und Neusein. Ich glaube inzwischen, dass das nicht das Maßgebende ist. Das Polaritätsdenken in mir zwischen „alter“ und „neuer“ Anna und „altem“ und „neuem“ Leben ist aufgebrochen. So wie es bis jetzt war, war es richtungsweisend. So wie es jetzt ist, ist es gut. Und so wie’s kommen wird? Auch in Ordnung.

Monate habe ich damit gerungen, dass ich statt einem neuen Job, eine neue Ausbildung begonnen habe. Schon wieder Schulbank drücken? Nach 10 Hochschulsemestern, Magisterabschluss und dutzend Fortbildungen…! Ist das ein neuer Weg?… Ich habe wieder unglücklich in einer WG gelebt, die WG gewechselt und natürlich festgestellt, dass die Schwierigkeiten zwar anders sind, aber bleiben. Neuanfang?…

Gott, was soll das? Ich mag nicht mehr. Wo ist das schöne Leben? Das leichte? Das ohne Kampf, mit Licht und Lachen?

Nun habe ich eine neue Sicht auf die Berufungsgeschichte (inspiriert von der letzten Sonntagspredigt) und mir einen anderen Vers zur Ermutigung ausgekuckt: „Werf die Netze nochmal aus!“ (nach Lk 5:4).

Das schöne Leben? Es ist genau hier. Inmitten meines alltäglichen Kuddelmuddels an Zweifeln, Sorgen, dem vielen Lernen, hohen Anforderungen, in Ungeduld, ewig schweren Gedanken, in dem Wunsch, es doch anders haben zu wollen als es ist. Ich bin zwar noch immer müde und habe manchmal ein wenig das Gefühl, von der letzten Fahrt auf See ohne großen Fang zurückgekehrt zu sein, aber ich lasse mich von den vor mir liegenden Aufgaben nicht in die Knie zwingen. Gott hat mich nochmal rausgeschickt. Wieder Ausbildung, wieder WG,… Ich bin noch am Rausfahren und denke „what the f… mache ich hier eigentlich!“.

Nun…:Die neue Perspektive auf die Story und Vers 4 ermutigen mich, ruhig weiterzurudern, um nochmal meine Netze auszuwerfen – für den fetten Fang in den gewohnt komplizierten Lebensumständen. Weil ich da zuhause bin. Weil Gott mir Kraft gibt, weiter zu machen. In all dem, meinem Leben! Er ist mit an Bord. Mitten in all dem scheinbar Unveränderten sehe ich heute die fangfrische Veränderung einer neuen Sicht auf die Dinge.

Hauptsache Glauben!

Wir hatten heute eine hitzige Diskussion am Mittagstisch. Ich hatte zuvor noch überlegt, ob ich lieber allein sitzen möchte. Dann fand ich mich im Kreis meiner männlichen Mitschüler – der Gemeinschaft wegen. Irgendwie kamen wir von Gesprächen über das Essen, zu genetisch bedingt unterschiedlichen Stoffwechseln, zu Frauenbusen und schließlich zu Sexpuppen in Japan. Ich war absolut von den Socken, als ich hörte, dass es jetzt sogenannte „real dolls“ gibt. (Vielleicht gibt es die auch schon länger; ich lebe manchmal in meiner eigenen Welt, was ich inzwischen auch ganz ok finde). Diese Puppen werden jedenfalls verkleidet und zum Sexualverkehr benutzt. Angeblich gibt es auch schon Männer, die so eine Puppe geheiratet haben.

„Waaaas? Wie pervers ist das denn?!!!“ Mir stand die Empörung ins Gesicht geschrieben – zur Belustigung des Männerkreises. Ich war nicht zu halten. Anna hat schließlich was zu sagen! Ich ließ mich aus über falsche Regulierung, den Werteverfall, derbe Konsumgewohnheiten, Perversionen, schlechte Kindheiten, wetterte gegen all die Gewalt und den Mangel an Liebe, der für mich hinter solchen Aktionen steckt. „Glaube muss her!“, meine Parole. „Egal welcher, Hauptsache die Menschen fangen an, wieder an das Göttliche zu glauben und das Göttliche in sich zu suchen!“ Spiritualität suchen, Leben finden. Hauptsache Glauben und diesen Glauben in den Lebensalltag integrieren! Punkt…“Atmen, Anna!“

Ich habe vor ein paar Jahren in der Auseinandersetzung mit meinem Glauben und dem Christentum ein Buch gekauft: „Beten wir alle zum gleichen Gott?“ von Dr. Andreas Renz. Ich habe auch begonnen, es zu lesen. Eigentlich wollte ich eine Art Rezension darüber in diesem Blog veröffentlichen. Doch irgendwie habe ich das Buch immer wieder beiseite gelegt – es war mir zu theologisch, ich fand keinen Zugang und hatte nicht die Muse, weil mich andere Fragen beschäftigten. Ich habe nach dem heutigen Tag die Ambition losgelassen, dieses Buch selbst irgendwann nochmal zu lesen. Vielleicht schenke ich es weiter, wenn es jemanden interessiert (?). Für mich ist nicht wichtig, was uns Menschen im Glauben und im Gebet trennt, sondern, was uns verbindet. Ich möchte mit anderen Menschen gemeinsam beten, ohne vorher abzuchecken, ob jemand Christ ist oder nicht. Jesus hat die Menschen auch nicht gefragt, ob sie Christ sind oder nicht, bevor er mit ihnen ins Gespräch gekommen ist. Ich denke, dass interreligiöser Dialog wichtig ist. Die gemeinsame Zusammenkunft zum Gebet kann ein Weg dazu sein. Oder etwa nicht?

Es ist schon spannend, wie einen Gespräche am Mittagstisch bewegen und inspirieren können. Das wäre mir allein mit meinem Tischgebet im Abseits doch glatt entgangen. Manchmal tut mir so ein wenig Aufbrausen echt gut.

Faszination Glaube & Wissen

Ich bin fasziniert. Von meinem unerschütterlichen Glauben 2015 und euren Klicks auf meinen Blog. Dank der WordPressPress-Statistik-Elfen weiß ich sogar ganz genau, wieviele das waren: 2.900!!! Wow! Ich freue mich über jeden einzelnen. Bleibt auch 2016 dabei! Und macht „naturgetreu“ gerne unter Freunden und Bekannten publik.

Im Sinne meines Gelassenheitsvorsatzes für 2016 beginne ich das neue Jahr direkt mit dem von WordPress erstellten Jahresrückblick 2015. Ein geschenkter Blogbeitrag sozusagen. Für euch und mich (wenn das kein Grund zum Weiterfeiern ist!):

Ein Cable Car in San Francisco fasst 60 Personen. Dieses Blog wurde in 2015 etwa 2.900 mal besucht. Ein Cable Car würde etwa 48 Fahrten benötigen um alle Besucher dieses Blogs zu transportieren.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Hang Loose von Gott

Heute ist so ein Tag, an dem ich meine Bibel am liebsten in die Ecke pfeffern würde. Keine Lust auf geistigen Input. Ich bin frustriert. So what?

Ich durchstöbere mein Fotoarchiv. Heute ist mir danach, einfach meinen Kopf hängen zu lassen, wie der leidende Hiob auf dem Steinsockel vor der St. Klarakirche. Keine Lust, mich aus der Misere zu hieven. In dieser Stimmung des Niedergeschlagenseins will ich jetzt einfach mal nichts hören und nichts tun, um mich aufzurappeln. „Ist das OK?“, frage ich mich. Ich versuche mich locker zu machen. Trotzdem merke ich, dass ich krampfhaft versuche, den Kopf oben zu halten.

Jetzt braucht es ein göttliches „Go“ zum Hängen- und Gehnlassen. Denn ich selbst sehe mich gerade außer Stande, mir die Erlaubnis selbst zu erteilen. Gott, wo bist du? Eigentlich hätte ich das Foto von der Hiobsskulptur so gern für einen Beitrag über das menschliche Leiden verwendet. Aber nur eigentlich.

Plötzlich denke ich an den hawaianischen Shaka-Gruß unter Windsurfern. Ich schmunzle und denke daran, wie cool es ist, sich in ein Windsegel zu hängen. Heute brauche ich kein kompliziertes Nachdenken mehr, kein An-mir-und-meiner Stimmung-Werkeln. Heute brauche ich eine Auszeit: die befreiende Erlaubnis des So-Seins und eine imaginäre Meltemi-Meeresbrise (Anm.d.Red.: der Meltemi ist der vorherrschende Wind in den Sommermonaten an der Ägäis – einfach genial zum Windsurfen!). Heute brauche ich ein „Hang Loose“-Zeichen von Gott. Und irgendwie so zwischen meinen eigenen Zeilen lese ich, dass er es mir bereits gegeben hat.

Danke!

Warum-Frage trifft Schöpfungswunder

„If you look at all this, if you see all this beauty, how can someone say, there is no God?“ Während Patty diese Frage ausspricht, schweift ihr Blick über meinen Kopf hinweg und bleibt an der uns umgebenden Blüten- und Pflanzenpracht haften. Es ist ein Tag Ende Juli, der mir noch so lebendig in Erinnerung ist. Sattes Grün, Sonne absolut, üppige Vegetation, so weit das Auge reicht. Bunte Fachwerkhäuser säumen das Flussufer, architektonische Schmuckstücke menschlicher Meisterhand. Ein Kapitel Sommermärchen!

Zur selben Zeit stehen mir die Tränen in den Augen. Ich erzähle Patty, wodurch ich mich in den letzten Jahren hindurch gekämpft habe. Wir essen auf der Terasse eines italienischen Restaurants zu Mittag. Zehn Jahre muss es her sein, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben. In meinem Studentenalltag von damals, existierte Gott nicht. Mit all den Vorlesungen und Philosophie-Seminaren, die ich besuchte, hatte ich viel Stoff, um Fragen zu unserer menschlichen Existenz zu beantworten. Und es ploppten immer wieder neue auf. Ich war übervoll an Antworten….und leer zugleich.

Warum gibt es soviel Leid in der Welt? Warum und wozu leben wir? (…) Gott kann es nicht geben! Das war meine Schlussfolgerung, nachdem ich einige schmerzliche Erfahrungen gemacht hatte, die mir so sinnlos und überbordend erschienen, und mich so sehr niederdrückten, dass ich kaum mehr wusste, wie und warum ich überhaupt weiter leben sollte.

An diesem Tag Ende Juli, da habe ich die Welt trotz all der Schmerzenstränen ganz bewusst mit anderen Augen gesehen. Irgendwie hat Gott in mir den Durchbruch geschafft. Die negative leidvolle Sicht auf meine und die Welt um mich herum, ist einem freudigen Staunen gewichen. Ich negiere die Existenz Gottes nicht mehr. Vielmehr sehe ich, dass er immer schon da war – mitten in all dem Leiden, durch das ich gegangen bin. Er hat mich hindurch geführt an seiner unsichtbaren Hand. Und ich schätze meine Lage durchaus realistisch ein: Es wird weitere Niederlagen und Krisen geben. Aber ich werde anders hindurchgehen als zuvor. Mehr Gott in der Praxis als Philosophie in der Theorie.

Die Frage nach dem „Warum?“ beschäftigt mich weiterhin (ich habe inzwischen auch einige hilfreiche, aber keine abschließenden Antworten). Doch sie ist in den Hintergrund getreten, weil es für mich nun Wichtigeres, Schöneres gibt, mit dem ich mich befassen will. Das ist eine Entscheidung hin zu mehr Lebensqualität! Lebe ich, oder sterbe ich? Schaue ich auf das, was gut ist, auf die vielen Schöpfungs- und Alltagswunder, oder auf all das Schlechte?

In Augenblicken, in denen ich – wie an diesem wunderschönen Julitag mit Staunen in das Wunder unserer Schöpfung eintauche – da kann ich, anknüpfend an Pattys eingangs zitierten Ausspruch, nur fragen: „Wer, wenn nicht Gott, hat all das erschaffen?“ Trotz all der schmerzlichen Erfahrungen in unserem Leben und den vielen Krisen staunen Patty und ich an diesem Tag über Gottes Größe – mit etwas Bedauern darüber, dass wir diese Freude nicht mit der ganzen Welt teilen können. So sitzen wir da und sehen Gott in seiner ganzen Herrlichkeit. Setz‘ dich doch ein Weilchen zu uns. Gott ist real – in mir und dir. In dieser Welt!

Wenn du dich schwertust, den Blick von der Krise hin zu den vielen kleinen und großen Schöpfungswundern zu wenden, dann empfehle ich dir heute von der Psalmkarte: Nummer 104. Erlebe Augenblicke des Staunens, in denen dir Gott das Schöne in dir und in seiner Schöpfung zeigt. 

Freude am Unfertigen

Baustellen sind cool. Zumindest aus Kindersicht betrachtet. Insbesondere, wenn große Kräne und Bagger im Einsatz sind. Ich sehe das ein bischen anders. Ich hasse Baustellen. Ich meine nicht die, die zu stockendem Verkehr in der Nürnberger Innenstadt führen. Nein, ich meine, meine eigenen. Die großen und kleinen Baustellen in meinem Leben. Gleichwohl hier eine metaphorische Betrachtung:

Am Karl-Bröger-Platz wird seit einiger Zeit gebaut. „Sechzig Prozent verkauft“ informiert ein weißes Schild mit schwarzen Druckbuchstaben am Baustellenzaun. Tiefes Baggerloch und Bauschutt. Ich suche nach einer Tafel, die Aufschluss darüber gibt, was da verkauft wurde. Kein Infoboard mit Grundriss oder Modellbildern. Aber eine Telefonnummer für Interessierte pappt am Gitterzaun. Ich tippe auf den Bau von Eigentumswohnungen. Und finde es derweil bemerkenswert, dass sechzig Prozent davon bereits verkauft wurden, ohne dass es hier auch nur annähernd nach Wohnraum aussieht.

Ist das nicht mutig? Da wird Bauplänen vertraut und werden Kaufentscheidungen getroffen, bevor die lieben Damen und Herren überhaupt real gesehen haben, wo sie Monate später tatsächlich wohnen werden.

Mir fehlt es oft an Vertrauen, dass Gottes Plan für mein Leben gut und richtig ist. „Nun, Mister Gott! Meine äußeren Umstände sind gerade nicht so, wie ich das gerne hätte. Es fühlt sich scheiße an! Die letzten Wochen war ich auf vielen meiner Baustellen unterwegs. Ich habe mir meine wohl überlegten Pläne angeschaut, gelegentlich wütend oder einem Heulkrampf nahe, weil sie doch so anders sind, als das, was du scheinbar vorhast mit meinem Leben. Nimm’s mir nicht übel, aber irgendwie habe ich mir das echt anders vorgestellt!“ Ich unterbreche meine kleine Anklage. Und blicke zurück:

In den letzten Jahren hat es in meinem Leben gestürmt, dass sich die Balken biegen. So einiges ist dabei um mich herum zusammengestürzt. Situationen, Menschen und Ereignisse haben für Risse und Brüche gesorgt. Manchmal – an den grauen Tagen, in den dunklen Stunden, in den Momenten schmerzlicher Verzweiflung – da sehe ich das ganze Ausmaß der Verwüstung (ein Trümmerfeld von Verlust, Niederlage, Frustration, Enttäuschung, ungestillter Sehnsucht). Ich schließe die Augen und bete mich weg. „Hin zu Dir, mein Gott.“ Und plötzlich – vor allem während der Lobpreiszeiten im Gottesdienst – erhebt sich in mir eine Freude an all dem Unfertigen auf den Baustellen meines Lebens.

Ich sehe, dass Neues entsteht, wo Altes abgerissen wurde. Ich sehe ein hammerhartes Fundament und eine wirklich gute Bausubstanz, die alles Nötige enthält, um seinen Plan an mir zu realisieren. Auch wenn ich immer wieder ringe, weiß ich, dass sich meine Herzenssehnsucht nur dann erfüllt, wenn ich Gott seinen Plan für mein Leben verwirklichen lasse.

Mitten im Chaos des Unfertigen, des noch nicht Sichtbaren, spricht eine Stimme aus mir heraus: „Es ist alles wohl durchdacht. Ich habe einen guten Plan für Dich und werde ihn vollenden.“

Die Bibel sagt im Johannes-Kapitel 14, 2-3: „“In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen. Wenn’s nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wieder kommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin.““

Daraus nehme ich für mich die letzte Gewissheit eines Happy Ends. Nach allem, was mich in der Welt bedrückt, was mir fehlt, was mir so unfertig erscheint, hat Gott einen Platz im Himmel für mich reserviert – ohne Schutt, Gerüst und Baustellenlärm. Vollauf fertig! Himmlischen Wohnraum zum Wohlfühlen und Aufatmen. Und zugleich bleibt dieser Rest-Zweifel, bleiben Ungeduld und Misstrauen gegenüber Gottes Bauplan für mein Leben in dieser Welt. Umso dankbarer bin ich um die Momente der Freude am Unfertigen in meinem Leben, wünsche mir mehr davon, auf dass mein Misstrauen schwindet und ich immer mehr von seinem guten Plan für mich erkenne und sehe.

Provokation Jesus

Kurze Bildbetrachtung: „Friedlich ist das Wespennest, wenn man es in Ruhe lässt,“ steht da an einer Hauswand unterhalb des Cinecittas.  Kleinautorin Anna freut sich über Material für ihren Blog.

„Ja“, denkt sie. „Mensch ist in der Tat gut beraten, nicht ins Wespennest zu pieken. Das könnte böse enden. Weiß ich eigentlich, aber eine Hauswand mit Lehrsatz…?! Nun. Die hat auch etwas für sich!“ Sie denkt an die „Tribute von Panem“ (Vielleicht kennst du die Szene im zweiten Teil der Hungerspiele bei der Katniss Everdeen das gegnerische Team mit einem Schwarm Jägerwespen schlägt). „Und außerdem“, denkt die kluge Kleine in sich, „ist der Lehrsatz prima auf unser soziales Miteinander übertragbar“.

Der Exkurs im Kopf nimmt seinen Lauf. Nicht sticheln, nicht provozieren. Immer schön friedlich. Da! Die Harmoniefalle! (Ich hatte in meinem Beitrag „Anstandsbitte(r)“ über dieses leidliche Thema geschrieben).

„Hier in meiner Blogkomfortzone, da lasse ich’s drauf ankommen. Da sch… ich auf die Harmonie!“

Ähm ja. Ganz so wild und freiraus schreibe ich trotz erklärtem Willen zur Anstandslosigkeit doch (noch) nicht. Da gibt es in mir ein Zensurbüro. Die Damen, die dort im Anna-Innern den Posten besetzt haben, haben ziemlich viel Respekt vor einem über mir hereinbrechenden „Shitstorm“ und übermäßig vielen, sich nicht mehr selbst regulierenden Kommentaren.

Und dennoch: Ich schreibe einen Blog über meinen Glauben an den dreieinigen Gott. Ist das nicht provokant genug?

Findest du es provozierend, wenn Menschen wie ich über Jesus sprechen?

Jesus! Diesen Namen auszusprechen, provoziert, darauf machte uns unser Gemeindeleiter beim letzten Open Air Gottesdienst an der Pegnitz aufmerksam. Voller Freude, stimmten wir daraufhin in den Lobpreis zu Jesu Ehre ein. Ich bin schon ein bischen verrückt, denke ich. Beim Singen da kann ich Jesus umjubeln, da kann ich alles andere ausblenden, da gibt es nur Jesus und mich.

Aber in Gesprächen. Da bin ich oft blockiert. Da gibt es eine Art Rest-Scham, und ein ungutes beklemmendes Gefühl. Da ist Angst, dass mein Reden missverstanden wird, so als wolle ich etwas aufdrängen, das unerwünscht ist, statt mich frei zu fühlen, meine wunderbaren göttlichen Erfahrungen zu teilen. Ich will gehört werden, wie du, mit dem, was mir wichtig ist. Und doch traue ich mich nicht, darüber zu sprechen.

Gestern ging die viertägige Erweckungskonferenz im Nürnberger Stadion zu Ende. 25.000 Christen aus 25 Nationen versammelt. Für mich befremdlich. Dennoch – die zwei Abende, an denen ich dort war, taten mir gut. Wir haben dort auch um Freisetzung von Scham und Angst gebetet. Vielleicht schreibe ich daher heute einen so offenen Text. „Die eigentliche Provokation ist Jesu Leben selbst“ schreibt Claas Kaeseler vom ERF in dem Artikel „Provokation Jesus“. „Seine Liebe bis in und über den Tod hinaus ist die eigentliche Provokation – und darin liegt die Kraft verborgen, die die Welt verändert.“

Das gefällt mir! Liebe ist Provokation. Sie verändert. „Erotisch shoppen“ bei Orion – langweilige Werbeaufschrift am Schaufenster. Null Provokation. Einfach normal. Null emotionale Betroffenheit. Aber wenn an einer Hauswand „Jesus lebt, Jesus liebt!“ steht, dann provoziert das. Dann regt sich etwas in mir.

Ich finde, darüber kann man schon einmal nachdenken. Vor allem, wenn man, wie ich, Lust hat auf Veränderung.

„Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.“ Philipper 4 /7

King des Monats

Die Sirene ertönt. Irgendjemand hat den Alarmknopf gedrückt. Die matte Scheibe in meinem Großhirn wird eingeschlagen. Notfall. Bloß raus hier!

Es gibt Tage, da ist Denken lebensgefährlich. Da gebraucht mich mein Verstand, um höchst riskante Manöver zu tun. Wirre Gedanken, Grübeln, Sorgen, die mich schier wahnsinnig machen. Da bin ich dankbar um das Signal zum Ausstieg.

Statt weiter zu denken, bahne ich mir den Fluchtweg. Raus hier! Ich beginne, die Welt um mich herum zu beschauen. Schalte um von Gedankenmühle auf Beobachtung. Mein erster Blick bleibt an einem Werbeplakat haften. Unmittelbar vergnügtes Schmunzeln. Die Lieferando Werbeslogans sind einfach grandios. Bestellt habe ich immernoch nichts. Aber ich habe meine Freude mit Wasabi, Penne und frischen Salaten im Großdruck. Das gebe ich ehrlich zu.

Plakatwerbung inspiriert mich. Der Burgerking-Banner „King des Monats“ in Kombination mit meinem Kronenschnappschuss am Königstor gibt mir den nötigen Stoff für diesen Text.

Die ersten Tage dieses Monats bin ich ziemlich viel Gedankenkarussel gefahren – widerwillig. Irgendjemand hat mich reingesetzt, festgeschnallt und los ging die Fahrt. Bei der Windeseile, in der ich – an meine eigenen Gedanken angekettet – an der Außenwelt vorbeirausche, wird mir speiübel.

In so einer Aufruhr, wenn die Gedankenwelt auf dem Kopf steht und ich nicht mehr weiß, wie mir geschieht, da vertraue ich auf meinen König. Denn mein eigenes kleines Königstochterdasein habe ich in solchen Momenten längst vergessen. Aufstehen und Krone richten unmöglich. Ich bleibe liegen im Gedankenmüll und in dreckigen alten Gefühlen von Schmerz, Enttäuschung, Angst und Wut. Und dann, genau dann, steht Er vor mir. Der wahre König!

Durch das Burgerbrötchen mit Rind, Extracheese und Topping erlebe ich den feinen Unterschied zwischen dieser und der unsichtbaren Welt. Ich spüre, wie sich Jesus über all den Staub der Welt erhebt und mir die Hand reicht, seinen purpurnen Umhang sorgend um mich legt, mich trägt zu seinem Thron. Er nimmt mich mit auf eine Reise ins Sosein in der Kraft der Liebe – solange bis ich wieder bereit bin, in dieser Welt mein Krönchen gerade zu rücken. Solange bis ich wieder in der Lage bin, meinen Verstand zu regieren.

Es ist schön, ein wenig verrückt zu sein und zugleich seinen Verstand nicht zu verlieren. Denn trotz Irrungen und Wirrungen, erkenne ich in den ersten Julitagen: Dein ist das Reich, Herr König Jesus!

Hokuspokus Heiliger Geist

Wir alle sprechen biblisch. Es gab im letzten Jahr eine super Kolumne in der RP Online von Lothar Schröder dazu. „Hiobsbotschaft“, „mit etwas schwanger gehen“, „auf keinen grünen Zweig kommen“, „Stein des Anstoßes nehmen“ und viele weitere Redewendungen haben ihren Ursprung in der Bibel.

Als ich an einer Nürnberger Hauswand das Affenbild erblickte, kam mir das Wort „Hokuspokus“ in den Sinn. Später stieß ich im Internet auf eine interessante Theorie zur Herkunft des Begriffs: Angeblich leitet er sich vom Lateinischen „Hoc est enim corpus meum“ (deutsch „Denn dies ist mein Leib“) ab. Diese Formel wurde früher in der katholischen Kirche während der Eucharistiefeier gesprochen. Das Fußvolk, das kein Latein verstand, habe aus der priesterlichen Wandlungsformel das Wort „Hokuspokus“ herausgehört, so die etymologische Erläuterung. Da dem Vorgang der symbolischen Verwandlung von Hostie in den Leib Jesu Christi ein gewisser Zauber anhaftete, fand die „Hokuspokus“-Formel Eingang in die Alltagssprache, so die Theorie.

In diesen Tagen feiern wir Pfingsten. Ein christliches Hochfest, an dem die – von Jesus angekündigte (Johannes 14 / 15-31) – Ausgießung des Heiligen Geistes gefeiert wird. Dass der Heilige Geist „als Kraft aus der Höhe“ (Lukas 24 / 49) auch auf mich herabgekommen ist und in mir als Geist der Wahrheit lebt, das kann für einen Nichtchristen schon wie „Hokuspokus“ klingen. Es ist auch für mich nicht leicht, den Heiligen Geist zu greifen, geschweige denn, Dritten das Wirken des Heiligen Geistes in mir zu beschreiben. Ja, es hat schon etwas Zauberhaftes. In der Apostelgeschichte (2 /1-41) wird berichtet, dass sich die Jünger Jesu am 50. Tag nach Ostern versammelten und dort den Heiligen Geist empfingen. Tausende Menschen bekehrten sich und ließen sich taufen. Dieses Geschehen wird auch als Geburtsstunde der christlichen Gemeinde und somit auch der Kirche bezeichnet.

Ich glaube an den Dreieinigen Gott, den Vater, den Sohn und eben auch an den Heiligen Geist. Ich kann mich auf die Worte Jesu in der Bibel stützen, auch wenn der Heilige Geist nicht immer spürbar in mir ist. Gott hat Ihn uns als Beistand und Lehrer gegeben (Johannes 16 /4b-15). „Komm Geist Gottes, tu was dir gefällt“ sangen wir gestern im Gottesdienst. Ich glaube, dass diese Hinwendung zum Heiligen Geist und ein ehrliches Einlassen auf Ihn die beste Voraussetzung dafür ist, Ihn tatsächlich zu hören und zu erfahren. Nicht als falschverstandene Hokuspokus-Kurzformel, sondern in aller Klarheit und Kraft.