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Plötzlich

Mein letzter Blogbeitrag ist eine ganze Weile her. Wie ich es in meinem letzten Artikel geschrieben habe, poste ich seit einiger Zeit bei Instagram und gebe dort meinen Gedanken die nötige Freiheit.

So ist das.

Im April vor drei Jahren habe ich mit diesem Blog begonnen. Meinen ersten Beitrag begann ich mit dem Zitat einer Postkarte: „Und plötzlich weißt du, es ist Zeit etwas Neues zu beginnen und der Freude des Anfangs zu vertrauen.“ Das waren Worte, die mich bei meinem Neustart in Nürnberg gestützt haben. Es gab einen Anfangsmoment und danach eine drei Jahre dauernde Phase des Beginnens, Orientierens, Neujustierens: Umzug, Umschulung, neuer Job, neue Beziehungen.

Und jetzt? … ich finde mich in einer radikal anderen Situation wieder als die, die mich vor Jahren zu einem Neuanfang bewog. Diese neue Situation ist das Ergebnis der letzten drei Jahre Ausharren und Nichtaufgeben, mutig sein, Entscheidungen treffen, kämpfen.

In diesen Tagen, wenn ich mit meinem neuen Cabrio von der Arbeit in unser neues Zuhause fahre, da fühlt es sich an, als wäre diese Wende in meinem Leben ganz „plötzlich“ eingetreten. Ich staune darüber, wie viele meiner Hoffnungen sich erfüllt haben. Ich kann es kaum glauben. Ich freue mich daran, dass endlich so vieles nicht nur in mir, sondern auch um mich herum anders, neu und schön ist.

Einladung, das Schöne zu sehen!

„The Invitation“ (Deutsch: „Die Einladung“) heißt ein Gedicht und Buch von Oriah Mountain Dreamer. Es hat mich sehr inspiriert und berührt mich jedes Mal aufs Neue, wenn ich es lese. Ich habe es unter den Texten hier auf meinem Blog veröffentlicht.

„Die Einladung“ begleitet mich seit zweieinhalb Jahren. Je nach Verfassung und Situation sind für mich seither verschiedene Textpassagen bedeutsam und wahr geworden.

Derzeit ist es diese Textstelle: „I want to know if you can see beauty, even when it’s not pretty, every day, and if you can source your own life from its presence“.

Schönheit ist nicht Perfektion, heißt nicht ästhetische Vollkommenheit, bedeutet nicht die Harmonie des goldenen Schnitts. Schönheit ist mehr und anders als diese. Wahre Schönheit zu sehen, zu begreifen, bereichert mein Leben…macht es einfach schön!

Du bist von Herzen eingeladen, das Schöne in dieser Welt zu sehen, gerade dort, wo du es zunächst vielleicht nicht als solches wahrnimmst.

Öffne deine Augen für alles Schöne in dir, in deinen Mitmenschen, in deiner Lebenswelt. Weil das Andere, in diesem Moment „der Wahrnehmung des Schönen“ nicht interessiert.

Warum-Frage trifft Schöpfungswunder

„If you look at all this, if you see all this beauty, how can someone say, there is no God?“ Während Patty diese Frage ausspricht, schweift ihr Blick über meinen Kopf hinweg und bleibt an der uns umgebenden Blüten- und Pflanzenpracht haften. Es ist ein Tag Ende Juli, der mir noch so lebendig in Erinnerung ist. Sattes Grün, Sonne absolut, üppige Vegetation, so weit das Auge reicht. Bunte Fachwerkhäuser säumen das Flussufer, architektonische Schmuckstücke menschlicher Meisterhand. Ein Kapitel Sommermärchen!

Zur selben Zeit stehen mir die Tränen in den Augen. Ich erzähle Patty, wodurch ich mich in den letzten Jahren hindurch gekämpft habe. Wir essen auf der Terasse eines italienischen Restaurants zu Mittag. Zehn Jahre muss es her sein, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben. In meinem Studentenalltag von damals, existierte Gott nicht. Mit all den Vorlesungen und Philosophie-Seminaren, die ich besuchte, hatte ich viel Stoff, um Fragen zu unserer menschlichen Existenz zu beantworten. Und es ploppten immer wieder neue auf. Ich war übervoll an Antworten….und leer zugleich.

Warum gibt es soviel Leid in der Welt? Warum und wozu leben wir? (…) Gott kann es nicht geben! Das war meine Schlussfolgerung, nachdem ich einige schmerzliche Erfahrungen gemacht hatte, die mir so sinnlos und überbordend erschienen, und mich so sehr niederdrückten, dass ich kaum mehr wusste, wie und warum ich überhaupt weiter leben sollte.

An diesem Tag Ende Juli, da habe ich die Welt trotz all der Schmerzenstränen ganz bewusst mit anderen Augen gesehen. Irgendwie hat Gott in mir den Durchbruch geschafft. Die negative leidvolle Sicht auf meine und die Welt um mich herum, ist einem freudigen Staunen gewichen. Ich negiere die Existenz Gottes nicht mehr. Vielmehr sehe ich, dass er immer schon da war – mitten in all dem Leiden, durch das ich gegangen bin. Er hat mich hindurch geführt an seiner unsichtbaren Hand. Und ich schätze meine Lage durchaus realistisch ein: Es wird weitere Niederlagen und Krisen geben. Aber ich werde anders hindurchgehen als zuvor. Mehr Gott in der Praxis als Philosophie in der Theorie.

Die Frage nach dem „Warum?“ beschäftigt mich weiterhin (ich habe inzwischen auch einige hilfreiche, aber keine abschließenden Antworten). Doch sie ist in den Hintergrund getreten, weil es für mich nun Wichtigeres, Schöneres gibt, mit dem ich mich befassen will. Das ist eine Entscheidung hin zu mehr Lebensqualität! Lebe ich, oder sterbe ich? Schaue ich auf das, was gut ist, auf die vielen Schöpfungs- und Alltagswunder, oder auf all das Schlechte?

In Augenblicken, in denen ich – wie an diesem wunderschönen Julitag mit Staunen in das Wunder unserer Schöpfung eintauche – da kann ich, anknüpfend an Pattys eingangs zitierten Ausspruch, nur fragen: „Wer, wenn nicht Gott, hat all das erschaffen?“ Trotz all der schmerzlichen Erfahrungen in unserem Leben und den vielen Krisen staunen Patty und ich an diesem Tag über Gottes Größe – mit etwas Bedauern darüber, dass wir diese Freude nicht mit der ganzen Welt teilen können. So sitzen wir da und sehen Gott in seiner ganzen Herrlichkeit. Setz‘ dich doch ein Weilchen zu uns. Gott ist real – in mir und dir. In dieser Welt!

Wenn du dich schwertust, den Blick von der Krise hin zu den vielen kleinen und großen Schöpfungswundern zu wenden, dann empfehle ich dir heute von der Psalmkarte: Nummer 104. Erlebe Augenblicke des Staunens, in denen dir Gott das Schöne in dir und in seiner Schöpfung zeigt. 

Kein Vergleich

Höher, schneller, weiter. Schön, schöner, am schönsten. Mein Haus, mein Auto, mein Boot. Wir vergleichen uns oft miteinander. Medien und Werbung definieren Statussymbole, Schönheitsideale und Erfolgsfaktoren. Wir orientieren uns daran.

Diese Vergleicherei im Kopf und das gegenseitige Kräftemessen kann einen ganz schön runterziehen: Der oder die Andere ist eben besser als ich und ich so nicht genug. Schnell zum Sport, ab sofort eine Woche nur Rohkost, mindestens zwei Tageszeitungen und jeden Bestseller lesen, um mitzureden und am besten heute noch ein Seminar zu Selbstmarketing buchen. Dann erhöhen sich Sympathiepunkte, Gehaltszahlen und die Lebenszufriedenheit.

Ist doch verrückt! So kann das doch wirklich nicht gedacht sein! Vor Kurzem habe ich mich wieder bei einem Vergleich ertappt. „Das muss aufhören“, dachte ich, „das wird aufhören… und zwar sofort!“ Die Natur ist die beste Lehrmeisterin und so kam mir ein Bild in den Sinn: eine Blumenwiese. Keine Blume auf dieser Wiese gleicht der Anderen, jede ist in sich einzigartig und sie ist schön. Die eine groß, die andere klein, dick- oder dünnstielig, verschiedene Farben, Blüten, Düfte und Blätter. Bist du schon mal auf die Idee gekommen, im Vorbeigehen an einer Blumenwiese zu sagen „Schau dir die Tulpe an, die ist viel schöner als alle anderen“ ? Freue dich an der Vielfalt! Jede Blume ist an sich ein Meisterwerk des Schöpfers! Ebenso macht jede einzelne Blüte im Frühling den Baum erst zu einer prächtigen Erscheinung. Das ist jedenfalls mein Empfinden.

Dieses Bild im Kopf verhindert unnötige Vergleichsstudien und hilft, zu sehen, wie du wirklich bist: „gewollt, kein Zufall, keine Laune der Natur, ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu“, wie es in dem Lied von Paul Janz so schön heißt.

„Alles an dir ist schön,…

…meine Freundin; kein Makel haftet an dir.“ So sagt es Salomo über seine Sulamith im Hohelied (Hohelied 4 / 7).

Es ist Frühling! Es duftet. Die Knospen sprießen. Blüten zeigen sich in ihrer Pracht. Wenn ich mit diesem staunenden Blick die Schönheit um mich herum betrachte, kann ich das zum Anlass nehmen, mich selbst auch aus dieser wertschätzenden Haltung heraus zu beschauen. Gott hat mich wunderschön gemacht! Und wenn ich das so (noch) nicht sehen kann, weil die Mode- und Kosmetikindustrie mit retouchierten Werbeplakaten Schönheit so anders definiert, dann ist jetzt Zeit für eine neue Perspektive:

Wie schön du bist und reizend, du Liebe voller Wonne. Hohelied 7 / 7.