Schlagwort-Archive: Zumutung

Andere Saiten

Wer meinen Blog schon etwas länger verfolgt, kennt meine Vorliebe für Wortspiele und Redewendungen. Als ich das abgebildete Foto machte (die Gitarre stand im Wartehäuschen am Regenstaufer Bahnhof), sagte ein ebenfalls auf den Zug wartendes Mädchen zu seinem Vater: „Die hat ja gar keine richtigen Saiten mehr!“Es war entzückend, wie die Kleine das sagte, in ihrer freudig-erkundenden cleveren Kinderart.“Dann lass uns andere Saiten aufziehen, Kindchen!“ führte ich mein Gedankenspiel fort (ihr kennt sie sicher…diese amüsanten inneren Dialoge des guten bzw. schlechten Humors).

Es ist schon wieder etwas Zeit seitdem vergangen. Die Redewendung blieb mir im Kopf.

„Andere Saiten aufziehen“ bedeutet im deutschen Sprachgebrauch „sein Verhalten bzw. den Umgangston ändern, eine andere Taktik anwenden“ oder – mit einer negativen Konnotation – „strenger werden“.

Die Schreibweise der „Saiten“ zeigt, dass die Redewendung tatsächlich ihren Ursprung im Neubesaiten von Saiteninstrumenten hat. Wer dort andere Saiten aufzieht, ändert den Klang des Instrumentes bzw. macht es überhaupt erst bespielbar.

Schöne Metapher! Ich habe neue Saiten in meinem Leben aufgezogen. Von „lieb, nett, angepasst“ zu ein bisschen „schroff, eigen, gottgefällig“. Ich beobachte, dass einige Menschen den neuen Klang nicht mögen. Andere wiederum finden ihren Gefallen daran. Ich selbst feile noch an den Tönen – bin auch nicht ganz happy damit.

Mit meiner Meinung, mit meinem Verhalten ecke ich an. Ich sorge für Missstimmung. Ich stoße auf Ablehnung. Das auszuhalten, ist schwer. Es fühlt sich nicht gut an, selbst (verbal) Eine geklatscht zu kriegen. Es sei denn, mein Kampfgeist ist geweckt. Aktion…Reaktion. Der Stärkere gewinnt. Ich wäre eigentlich lieber für die „Himmel auf Erden“-Variante. Doch zugleich ermutigt mich Gott, meine andere Seite zu zeigen. Die ungezähmte Version meiner selbst. Manchmal tue ich gut daran, mich mit meinen Launen, Gefühlen und Gedanken der Welt zuzumuten – hier in diesem Blog und anderswo. Dann heißt es für mich: Nix da rauswinden, schön reden, sondern andere Saiten aufziehen…weiterspielen! Schräge Töne! Neue Töne!

Ich wünsche auch dir Freude an den neuen Saiten in deinem Leben, an neuen schönen Klängen…

KEEP ALIVE. KEEP PLAYING.