Weltschmerz

Das Leben ist wunderschön, aber es tut weh. In meinem eigenen Leben kann ich diesen Schmerz spüren. Doch auch, wenn ich mir die Welt um mich herum und darüber hinaus ansehe, empfinde ich ab und zu einen gewissen Schmerz: Weltschmerz.

Ich will ein paar Zeilen darüber schreiben und es mir leicht dabei machen: Begriffsrecherche!

Der Begriff „Weltschmerz“ meint ein Gefühl der Trauer und schmerzhaft empfundener Melancholie, das jemand über seine eigene Unzulänglichkeit empfindet, die er zugleich als Teil der Unzulänglichkeit der Welt, der bestehenden Verhältnisse betrachtet. Er geht oft einher mit Pessimismus, Resignation oder Realitätsflucht (Definition nach wikipedia, 2.2.2016).

Ich prüfe die Intensität meines Weltschmerzempfindens anhand der Definition. Auf einer Skala von 1 bis 10 würde ich sagen mein Weltschmerz erreicht zuweilen eine 8. Zwar bin ich sicher kein Pessimist. Doch ich habe noch immer einen deutlichen Hang zur Resignation. Und!…: ich bin eine hoffnungsvolle Träumerin (≙ „Realitätsflucht“, siehe Definition oben). Ich male mir aus, wie mir die Welt zu Füßen liegt oder ich Menschen für den guten Kampf gewinne (schließlich hat mir Gott verheißen, mich zur Menschenfischerin zu machen). Irgendwie scheint das so einfach nicht zu sein.

Ich schaue nochmal genau hin. Der Weltschmerz-Begriff wurde von dem deutschen Schriftsteller Jean Paul geprägt. Dieser schreibt Folgendes dazu: „Nur sein Auge sah alle die tausend Qualen der Menschen bei ihren Untergängen. Diesen Weltschmerz kann er, so zu sagen, nur aushalten durch den Anblick der Seligkeit, die nachher vergütet.“ (Jean Paul, in: Selina oder über die Unsterblichkeit der Seele, 1823)

Ich habe vielleicht nicht „die tausend Qualen der Menschen“ mit eigenem Auge gesehn. Doch ich habe genug gesehen, um ab und an Weltschmerz zu empfinden. Und nun? Was ist die Lösung für „all die qualvollen Untergänge“, für das schmerzliche Allerweltsproblem „Zuviel Gewalt – Zuwenig Frieden“ in unseren Beziehungen, in unserem politischen, wirtschaftlichen und sozialen System, in Krisen- und Kriegsregionen?

Mir gefällt die englische Definition des Begriffs „world pain“: „the depression you feel when the world as it is doesn’t reflect what you think it should be“ (aus: no more – good company / other wordly). Das trifft für mich den Nagel auf den Kopf. Denn ich will sie anders haben, unsre Welt!

Vielleicht aber ist das Empfinden von Weltschmerz der Anfang von allem und nicht das elende Ende! Vielleicht braucht es diesen Weltschmerz (wie es Tränen der Traurigkeit braucht, vgl. Beitrag vom 26.1.16 „Über die Trauer“). Vielleicht braucht es eine depressive Verstimmung darüber, dass die Welt nicht so ist, wie du und ich sie gerne hätten,…
  • um sich auf die Suche zu machen nach dem Wunderschönen in ihr.
  • um sich auszustrecken nach mehr davon.
  • um Frieden zu finden, indem wir nach Innen schauen und dort mit Veränderung beginnen: Unsere eigenen Schmerzen ansehen, annehmen und verwandeln lassen. Frieden in uns selbst zu finden, über die eigene Unzulänglichkeit, die vielen Denkfehler, Charakterschwächen, körperlichen Makel.
  • um uns dann mit neuer, göttlicher Kraft (und nicht aus der eigenen) darum zu bemühen, selbst die Veränderung zu sein, die wir uns für diese Welt wünschen.
Vielleicht reicht am Ende dieses Weltschmerz-Begriffbeitrags auch einfach ein Blick auf Jesus. Jesus war ein Mann der Schmerzen. Er kann sich in meinen Schmerz hineinversetzen: meinen ganz persönlichen und den Schmerz über das Derbe, Grausame, die Not in dieser Welt. Jesus schaut nicht weg. Er ist nicht gleichgültig gegenüber all dem Elend. Ihm geht unser Schmerz und Leid nahe. Er will uns verändern – unser Denken, unser Fühlen, unser Sein. Er will, dass sich durch uns das Königreich Gottes in dieser elend düsteren Welt entfaltet.
„Für all das, was sich nicht ändern lässt, gib mir, Gott, Gelassenheit“, könnte ich nun diesen Beitrag schließen. In diesem Zusammenhang fällt mir noch etwas Anderes ein: Gottes Versprechen. So wird all das Unveränderliche aushaltbar – wie Jean Paul schrieb: „durch den Anblick der Seligkeit, die nachher vergütet“ oder wie es im letzten Buch der Bibel heißt: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.““ (Offenbarung 21: 4).

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