Tempolimit

„Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.“
Dietrich Bonhoeffer

Gestern ging es in unserer Austauschrunde um Burn Out und Erschöpfung. Was tun, wenn man sich ausgebrannt und kraftlos fühlt, das tägliche Leben nur noch anstrengend, die eigenen Ressourcen ausgeschöpft sind? Kann man die eigenen Akkus wiederaufladen und die alte Leistungsfähigkeit wiederherstellen? In einem dauernden Zustand von Erschöpfung wünschen wir uns neue Kraft. Was für eine Kraft wünschen wir uns da? Wozu wollen und brauchen wir diese Kraft?

Ich habe gefühlt schon einige Jahre nicht mehr die Power, die ich einst hatte. Vielleicht hat das mit jahrelangem Raubbau an mir selbst zu tun und den aktuellen Herausforderungen in meinem Leben. Vielleicht ist es auch so, dass es Grenzen meiner Kraft gibt und ich die mehr spüre und zulasse als zuvor. Ich merke jedenfalls, dass ich auf Gott angewiesen bin, weil manche Dinge für mich aus eigener Kraft nicht mehr bewältigbar sind. Und das ist in Ordnung so. Gott gibt mir täglich neue Kraft: Nicht, um durchweg volle Leistung zu bringen, sondern, um zu leben! Mit Freuden, mit Schmerz, mit Trauer, mit vielen Gedanken, mit kreativen Schöpfungen, Fehlschlägen und Misserfolg, mit sportlichen Aktivitäten, schönen Unternehmungen, Soseinsübungen…Kurz: für ein Leben mit Hinfallen, Aufstehen und Krone richten!

Meine Beobachtung: Gott füllt meinen Benzintank über Nacht. Dann reicht mein Sprit wieder für ein Leben im Heute. Am Abend bin ich müde, meckrig und platt (nun ja: zufrieden und dankbar bin ich manchmal auch!). So ist das.

Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen mir: es gibt ein göttliches Tempolimit in mir. Ich kann Dinge nicht vorwegnehmen, Prozesse nicht beschleunigen und Kräfte Wochen im Voraus verplanen. Ich muss jeden Tag neu schauen und hören, was dran ist. Ich lerne zu vertrauen, dass ich – wie heute – auch für morgen die Kraft habe, die ich brauche, um im Leben zurecht zu kommen – ohne mich unnötig zu sorgen.

Vorbei, bye, bye, liebes Leben auf der Überholspur! Ich versuche, mich fortan mehr ans Tempolimit zu halten. Klar: Ausscheren, Gas geben, Fahrtaufnehmen….das hat schon seinen Reiz. Allerdings: So ein bisschen gemütlich-gemäßigt auf der rechten Fahrbahn, daran finde ich langsam Gefallen. Für die Tage auf dem Standstreifen – ausgelaugt und kraftlos – kann ich statt dem ADAC Gott rufen. (Ja: Manchmal trage ich beim Schreiben etwas dick auf und verfalle dem Kitsch…) Entscheidend ist für heute und diesen Beitrag: Es geht weiter (mit der Schreibe und mit dem Leben, weil Gott mir täglich die Kraft gibt, die ich brauche). Das ist schön.

Ein Gedanke zu „Tempolimit“

  1. Liebe Anna,
    Kräfte lassen nach , nach einer andauernden Überbelastung um zurück zu schalten, auf das wesentliche sich auszurichten! Auf Gott und auf den Moment, auf den heutigen Tag zu schauen. Nicht auf morgen oder nächstes Jahr. Ich hatte auch Zeiten auf der Überholspur und habe mich dann vor gut 2 Jahren gefragt:“Was machst du da eigentlich? “ In diesem Augenblick war Gott bei mir und hielt wieder seine Hand hin, damit ich sie greifen konnte. Ich griff zu, wie Du weißt und ohne IHN Leben? NIE WIEDER! ***

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